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Milizenführer ruft Bevölkerung zur Flucht auf: Im Osten Afghanistans droht ein Bürgerkrieg

zuletzt aktualisiert: 09.09.2002 - 15:59

Kabul/Islamabad (rpo). Nach neuen Kämpfen droht im Osten Afghanistans ein Bürgerkrieg. Die Bevölkerung der Stadt Khost wurde von einem Milizenführer am Montag zur Flucht aufgerufen.

Im Osten Afghanistans droht nach Kämpfen zwischen einem Milizenführer und dem von Präsident Hamid Karsai eingesetzten Gouverneur ein Bürgerkrieg. Milizenführer Pascha Khan Sadran forderte die Bevölkerung der Stadt Khost am Montag zur Flucht auf.

Er werde die Regierungstruppen in einer großen Offensive angreifen, drohte Sadran an. Er verlangte, Karsai müsse ihn als Gouverneur der Provinzen Khost, Paktia und Paktika einsetzen, sonst gebe es keinen Frieden. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.

Am Sonntag war es zu Kämpfen zwischen den Truppen des amtierenden Gouverneurs von Khost, Mohammed Hakim Taniwal, und der Miliz Sadrans gekommen. Dabei wurden nach Angaben Taniwals 15 Menschen getötet. Sadran warf den Regierungstruppen vor, seine Stellungen angegriffen zu haben. Sadran war von Karsai als erster Gouverneur eingesetzt worden, musste den Posten aber auf Druck aus der Bevölkerung wieder abgeben. Beobachter werteten den Konflikt als Hinweis darauf, dass die Zentralregierung die Region nicht zu kontrollieren vermag.

Am Montag flogen US-Hubschrauber über Khost. Augenzeugen meinten, das solle weitere Kämpfe verhindern. Die USA vermuten Reste der Taliban und der El Kaida in der Region und haben einen Stützpunkt nahe der Stadt Khost.

Die afghanische Regierung feierte den vor einem Jahr ermordeten tadschikischen Milizenführer Ahmed Schah Massud als Helden. Mehrere Redner gelobten am Montag auf einer Kundgebung im Stadion von Kabul, Massud als Vorbild hochzuhalten. "Wir werden alles tun, um für die Freiheit und Unabhängigkeit Afghanistans zu kämpfen", sagte Verteidigungsminister Mohammed Kasim Fahim. Massud war zwei Tage vor den Anschlägen vom 11. September ermordet worden.

Während der sowjetischen Besetzung Afghanistans von 1979 bis 1989 war Massud einer der wichtigsten Mudschahedin-Anführer. Später war er am Bürgerkrieg um die Macht in Kabul beteiligt. Nach 1996 wurde er zum letzten ernsthaften Gegner der Taliban. Heute beherrschen seine Anhänger die Nordallianz und damit die Regierung unter Präsident Karsai.

Quelle: RPO Archiv

 
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