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Nairobi
Im Slum nimmt der Papst Afrikas Eliten in die Pflicht

Nairobi. Franziskus trifft zum Schluss seines Kenia-Aufenthalts die Ärmsten. Aus der Heimat kommt harsche Kritik an seinem Führungsstil. Von Thomas Jansen

"Ich fühle mich hier sehr zu Hause", sagt Franziskus in der Kirche des heiligen Arbeiters Joseph. Dabei wirkt ihre Lage zwischen Wellblechbehausungen und ungeteerten Straßen wenig einladend. Am letzten Tag seiner Kenia-Reise besucht der Papst in Nairobi den Slum Kangemi. In kaum einer afrikanischen Stadt sind die sozialen Gegensätze krasser als in Kenias Hauptstadt, wo Wolkenkratzer, Einkaufszentren und schäbige Hütten dicht beieinander liegen. Alle Christen, "vor allem ihre Hirten", müssten Initiativen ergreifen, um die zahlreichen Ungerechtigkeiten abzustellen, unter denen die Slumbewohner litten, fordert der Papst.

Die Anklage der Armut ist ein Leitmotiv seiner knapp 48-stündigen Kenia-Reise; bis Montag ist Franziskus noch in Uganda und der Zentralafrikanischen Republik unterwegs. Der Papst, der sonst nicht müde wird, ein ungerechtes Weltwirtschaftssystem zu geißeln, machte in Nairobi deutlich, dass auch die afrikanischen Führungsschichten gefordert sind. Er kritisierte die grassierende Korruption und forderte zur Überwindung ethnischer und religiöser Spaltung auf.

Dass Franziskus in Kenia ein Plädoyer für die Familie halten würde, lag auf der Hand. Bemerkenswert war allerdings auch hier, dass er nicht zuerst die negativen Einflüsse der westlichen Kultur anprangerte, wie dies afrikanische Bischöfe zuletzt taten. Stattdessen sprach er bei der Messe in Nairobi ungewöhnlich offen hausgemachte Missstände an: Er rief zu Widerstand gegen die in Kenia immer noch verbreitete weibliche Genitalverstümmelung auf.

Misstöne kommen nur aus der Heimat. Ein ehemaliger Kurienmitarbeiter wirft dem Papst in einem anonymen Schreiben Eitelkeit und Populismus vor. Franziskus zeige eine "emotionale und antiintellektuelle Einstellung" und fördere eine "Kirche der Willkür", heißt es in dem Brief, den der "Focus" zitiert. Auch eine "übertriebene Zurschaustellung" des einfachen Lebensstils von Franziskus prangert der frühere Kuriale an. Seinen Namen nennt er nicht, weil er seine Vorgesetzten und Ex-Mitarbeiter vor dem "Zorn" des Papstes schützen wolle. Den Leitungsstil des Papstes nennt er autoritär. An der Kurie herrsche ein "Klima der Angst", so der Autor, der mit "Ein Kaplan Eurer Heiligkeit" unterzeichnet.

In Afrika tut das der Beliebtheit des Pontifex keinen Abbruch. Seit seiner Ankunft am Mittwoch wurden in Kenias Krankenhäusern mindestens 15 Neugeborene "Francis" genannt. Namensvarianten waren nach Angaben des Fernsehsenders KTN "Francisco Mario" (in Anlehnung an den bürgerlichen Namen des Papstes, Jorge Mario Bergoglio), "Pope Wambua" und "Pope Devin".

(kna)
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