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Militante Moslemgruppe hat sich bekannt: Indien: Tote und Verletzte bei Anschlag auf US-Kulturzentrum

zuletzt aktualisiert: 22.01.2002 - 14:14

Neu Delhi (rpo). Bei einem Anschlag auf das amerikanische Kulturzentrum in der ostindischen Stadt Kalkutta sind am Dienstagmorgen fünf Polizisten erschossen und 21 Menschen verletzt worden.

Indien machte Moslemextremisten mit Beziehungen zum pakistanischen Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich, bei dem außerdem 18 Polizisten, ein Passant und ein Wachmann verletzt wurden. Für die US-Botschaft und andere amerikanische Einrichtungen in Neu-Delhi wurde die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen.

Die Extremistengruppe Harkat-ul Jehad-e-Islami mit Sitz in Pakistan habe sich offenbar zu dem Angriff bekannt, verlautete aus Regierungskreisen. Innenminister Lal Advani erklärte, die Organisation stehe in Verbindung zum pakistanischen Geheimdienst ISI. Das Außenministerium in Islamabad wies die Vorwürfe scharf zurück und sprach von haltlosen Schuldzuweisungen. Die pakistanische Regierung verurteile den Anschlag, erklärte ein Ministeriumssprecher. Der ISI sei nicht in den Überfall verwickelt.

Nach Angaben des indischen Innenministeriums hatten zuvor zwei Anrufer in Telefonaten mit der Polizei erklärt, Harkat-ul Jehad-e-Islami habe sich zu der Tat bekannt. Auch in zwei Zeitungsredaktionen gingen der Polizei zufolge Faxe ein, bei denen es sich zumindest augenscheinlich um Bekennerschreiben der Organisation handelte. Darin habe es geheißen: "Wir haben die Stadt übernommen." Die Tat sei eine Reaktion auf die Tötung eines Aktivisten der Gruppe im vergangenen Jahr. Weiter sei auf dem Fax auch mit einem Anschlag auf die Howrah-Brücke in Kalkutta gedroht worden. Auch ein Sprecher der indischen Regierungspartei berichtete von Drohanrufen. Ein Sprecher von Harkat wies die Vorwürfe zurück. Indien habe dies erfunden, sagte er.

Die vier Angreifer schossen den Polizeiberichten zufolge von zwei Motorrädern aus mit Maschinengewehren auf die Beamten, die das Amerika-Zentrum bewachten, und flohen. Während der Schießerei gegen 06.30 Uhr Ortszeit (02.00 Uhr MEZ) habe sich kein amerikanisches Personal in dem Gebäude befunden. Das Haus wurde abgeriegelt.

Sicherheitsgespräche in Neu-Delhi

Der Überfall festige den Entschluss Indiens und der USA, gemeinsam gegen den Terrorismus vorzugehen, sagte Advani. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich FBI-Direktor Robert Mueller und der US-Gesandte Francis Taylor zu Gesprächen über gemeinsame Anti-Terror-Maßnahmen in Neu-Delhi. Auch in Bangladesch wurde am Dienstag der Schutz amerikanischer Einrichtungen verstärkt.

Das stets gut bewachte Amerika-Zentrum ist eines von zwei Gebäuden, die die US-Regierung in Kalkutta unterhält. In dem Zentrum sind eine Bücherei, Räume für Kulturveranstaltungen und mehrere Konsularabteilungen untergebracht. Die Sicherheitsvorkehrungen vor US-Einrichtungen in ganz Indien waren bereits in den vergangenen Monaten massiv verschärft worden.

Kalkutta ist die Hauptstadt des kommunistisch regierten indischen Unionsstaates West-Bengalen. Die Handelsmetropole ist des öfteren Schauplatz antiamerikanischer Proteste, die von Kommunisten und Gewerkschaften organisiert werden.

Im Nordosten Indiens überfielen unterdessen Rebellen, die für die Unabhängigkeit ihrer Region kämpfen, ein Dorf nördlich von Gauhati und erschossen nach Polizeiangaben 16 Bewohner. Die Stammeskämpfer hätten rund 20 Häuser in Brand gesteckt, bevor sie geflohen seien.

Quelle: RPO Archiv

 
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