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Neu-Delhi setzt auf Diplomatie: Indien will Konflikt mit Pakistan entschärfen

zuletzt aktualisiert: 27.12.2001 - 12:08

Neu Delhi (rpo). Auf diplomatischem Weg will Indien den Konflikt mit dem Nachbarland beenden. Verteidigungsminister George Fernandes sagte beim Besuch von Grenzposten in Kaschmir, Indien versuche einen Krieg abzuwenden. Weiterhin maschieren Truppen entlang der pakistanischen Grenze auf.

Gleichzeitig betonte er, die Truppenverstärkungen entlang der Grenze würden bis zum Wochenende abgeschlossen sein. Angesichts der Kriegsgefahr riefen UN-Generalsekretär Kofi Annan und US-Außenminister Colin Powell die verfeindeten Atommächte zu Besonnenheit auf.

Fernandes sagte am Siachen-Gletscher nahe der pakistanischen und chinesischen Grenze, innerhalb der kommenden zwei bis drei Tage seien die Truppen für jeglichen Einsatz bereit. Derzeit lege Indien aber großen Wert auf diplomatische Bemühungen. Die pakistanische Regierung verlegte ebenfalls Einheiten zur Grenze. Zudem wurden unter anderem in der Hafenstadt Karachi Flugabwehrgeschütze aufgestellt. Hinweise auf eine Stationierung von Atomwaffen gab es dagegen nicht. Die Gefechte in der Himalaya-Region ließen merklich nach.

Indien wollte am Donnerstag bei einer Sitzung des Sicherheitsausschusses über Wirtschaftssanktionen gegen Pakistan beraten. Erwogen wurde unter anderem ein Flugverbot für pakistanische Fluglinien über indischem Luftraum und der Rückruf weiterer Mitarbeiter aus der Botschaft in Islamabad. Zusätzlich drohte Indien, Pakistan den bisherigen bevorzugten Handelsstatus zu entziehen. Der indische Botschafter Vijay Nambia hatte Pakistan bereits am Dienstag verlassen. Zudem will Indien ab dem 1. Januar alle Zug- und Busverbindungen unterbrechen.

Indien wirft dem pakistanischen Geheimdienst ISI Beteiligung an dem Anschlag auf das Parlament in Neu-Delhi vor, bei dem am 13. Dezember 14 Menschen getötet wurden. Pakistan hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Bei einem Gipfeltreffen kommende Woche in Nepal wollen der indische Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee und der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf über einen Ausweg aus der Krise beraten.

Auch die internationale Gemeinschaft bemühte sich, eine weitere Eskalation des Konfliktes abzuwenden. Powell und Annan riefen beide Regierungen zu Besonnenheit auf. Es müsse jede Anstrengung unternommen werden, um eine ruhigere Atmosphäre zu schaffen, schrieb Annan in Briefen an beide Seiten. Zuvor hatte bereits das britische Außenministerium die Konfliktparteien zu Zurückhaltung gemahnt.

Die US-Regierung fror unterdessen die Konten der militanten pakistanischen Organisationen Jaish-e-Mohammed und Lashkar-e-Tayyaba ein, wie Powell mitteilte. Indien macht beide Gruppen für den Überfall auf das Parlament verantwortlich. Powell sagte, die Organisationen versuchten, Frieden und Stabilität in Südasien zu untergraben und die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan zu zerstören. Auch der UN-Sicherheitsrat beschloss ein Einfrieren von Guthaben der Lashkar-e-Tayyaba.

Die indische Zeitung "Asian Age" berichtete, Jaish-e-Mohammed habe bereits im Oktober ihren Namen in Tehriq al Furqan umgewandelt und ihre Bankguthaben entsprechend geändert.

Quelle: RPO Archiv

 
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