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Frieden in Nordirland greifbar nahe: IRA will die Waffen ruhen lassen

zuletzt aktualisiert: 06.05.2000 - 20:37

Belfast (AP). Nach jahrzehntelangem Kampf gegen die britische Präsenz in Nordirland hat die Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) am Samstag einen umfassenden Plan für ihre Entwaffnung vorgestellt. Die historische Erklärung erfolgte einen Tag, nachdem die britischen und irischen Regierungschefs Tony Blair und Bertie Ahern die Wiedereinsetzung der von allen nordirischen Parteien gestellten Provinzregierung zum 22. Mai in Aussicht gestellt hatte.

Als Voraussetzung dafür wurde die Bereitschaft aller paramilitärischen Gruppen zur Entwaffnung genannt. Die Regierungen in London und Dublin begrüßten die IRA-Ankündigung. Der Führer der Ulster Unionists David Trimble sprach von einem sehr interessanten Angebot, der Führer der IRA-nahen Partei Sinn Fein, Gerry Adams, von einer sehr "emotionalen und schmerzlichen Entscheidung der IRA auf Leben und Tod - weil sie wollen, dass es (der Friedensprozess) funktioniert."

Beobachter wiesen darauf hin, dass eine derart weitgehende Erklärung von der IRA lange als Kapitulation abgelehnt wurde. In der Erklärung der IRA heißt es: "Die IRA-Führung wird einen Prozess beginnen, der die Waffen der IRA vollständig und nachprüfbar außer Gebrauch setzt." Damit solle das größtmögliche Vertrauen der Öffentlichkeit gewährleistet werden.

Keine Kapitulation verlangen

Der britische Nordirlandminister Peter Mandelson sagte, er unterstütze den Plan, die Waffenlager der IRA zu lokalisieren, aber nicht zu zerstören. Die IRA könne so der Gewalt entsagen, "ohne das Gefühl zu haben, das jemand über ihnen steht und ihre Kapitulation verlangt".

Am späten Freitagabend hatten Blair und Ahern nach über 30-stündigen Verhandlungen mit Vertretern der nordirischen Konfliktparteien überraschend angekündigt, die im Februar abgesetzte Allparteienregierung zum 22. Mai wieder einzusetzen. Der Termin für den Abschluss der Waffenabgabe für alle paramilitärische Gruppen wurde um ein Jahr bis zum Juni 2001 verlängert.

Die IRA erklärte daraufhin ihre Bereitschaft, mit der Entwaffnungskommission zusammenzuarbeiten und Waffenlager von unabhängigen Inspektoren inspizieren zu lassen. Blair und Ahern begrüßten dies und gaben wenige Minuten nach der IRA-Erklärung die Ernennung zweier Waffeninspektoren bekannt: Den ehemaligen finnischen Staatspräsidenten Martti Ahtisaari und den früheren Vorsitzenden des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), den Südafrikaner Cyril Ramaphosa.

Quelle: RPO Archiv

 
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