Zur Befragung ins Ausland: Irak übergibt der UN Wissenschaftler-Liste
zuletzt aktualisiert: 28.12.2002 - 19:11Bagdad (rpo). Rund 500 Wissenschsftler sind nach Auskunft des Irak an Waffenprogrammen beteiligt. Eine Liste mit deren Namen übergaben die Irakis am Samstag den Vereinten Nationen (UN).
UN-Sprecher Hiro Ueki erklärte am Samstag in Bagdad, die genannten Personen stünden in Verbindung mit atomaren, chemischen und biologischen Projekten sowie der Raketenentwicklung. Die Liste wurde auf Arabisch erstellt und von UN-Mitarbeitern in Irak übersetzt, Kopien gingen nach New York und Wien.
Die UN-Waffenkontrolleure können nach der Resolution 1441 der Vereinten Nationen mit irakischen Wissenschaftlern sprechen und sie für eine Befragung ins Ausland bringen. Schon vor der Übergabe der Liste hatten die Inspektoren mit Forschern gesprochen, die in den kontrollierten Anlagen arbeiten. Am Dienstag hatten sie erstmals darum gebeten, mit einem Wissenschaftler unter vier Augen zu sprechen.
Wissenschaftler nennt Details
Ein von den Inspektoren befragter irakischer Wissenschaftler warf den Vereinten Nationen Lügen über die Bedeutung seiner Aussagen vor. Der Forscher Kasem Modschbal sagte, er habe nie mit einem Nuklearprogramm zu tun gehabt. Ueki hatte am Freitag erklärt, Modschbal habe Einzelheiten über ein geheimes Waffenprogramm Iraks genannt, das möglicherweise Teil des Nuklearprogramms sei. Am Samstag sagte er, den UN sei bekannt, dass Modschbal nie an einem Atomprogramm beteiligt gewesen sei.
Das US-Verteidigungsministerium hatte am Freitag mehrere Marineverbände angewiesen, sich auf eine Beteiligung an einem möglichen Krieg in Irak vorzubereiten. Aus dem Ministerium verlautete, die Truppenverstärkung solle im Januar und Februar erfolgen. Insgesamt würden mehrere zehntausend Soldaten an den Golf gesandt. Genaue Zahlen wurden nicht genannt. Derzeit sind rund 50.000 US-Soldaten in der Region stationiert.
Irak zeigte sich kampfbereit
Irak zeigte sich kampfbereit. Das Dröhnen der Kriegstrommeln werde die Iraker nicht einschüchtern, schrieb die staatliche Militärzeitung "El Kadissija": "Wer es wagt, Irak und sein Volk anzugreifen, wird einen hohen Preis zahlen". Der irakische Handelsminister Mohammed Mahdi Saleh sagte, Irak werde jeden Eindringling besiegen: "Die Iraker werden unter der Führung des heiligen Kriegers Saddam Hussein kämpfen."
Bundesaußenminister Joschka Fischer schloss eine Zustimmung Deutschlands im UN-Sicherheitsrat zu einem Irak-Krieg nicht aus. Er könne das deutsche Votum nicht vorhersagen, "da keiner weiß, wie und unter welchen Begleitumständen der Sicherheitsrat sich hiermit befassen wird", sagte der Grünen-Politiker laut dem Magazin "Der Spiegel". Er bekräftigte, dass sich Deutschland an einer Intervention militärisch nicht beteiligen werde.
UN-Rüstungskontrolleure setzten Arbeit fort
Die UN-Rüstungskontrolleure setzten unterdessen ihre Arbeit in Irak fort. Sie untersuchten am Samstag den Industriekomplex El Kakaa, rund 30 Kilometer südlich von Bagdad, sowie vier weitere Anlagen. Die Inspektoren haben El Kakaa seit Beginn ihrer Arbeit Ende November bereits acht Mal besucht. Auf dem Gelände befinden sich zahlreiche Fabriken, darunter eine, in der Teile für eine Atombombe hergestellt wurden.
Die türkische und die amerikanische Regierung verständigten sich auf die Grundzüge eines Hilfspakets, mit dem im Kriegsfall die wirtschaftlichen Folgen für die Türkei gemildert werden sollen. Der US-Unterstaatssekretär im Finanzministerium, John Taylor, beschrieb die Vereinbarung in Ankara als flexibel. Zahlen wollte er nicht nennen. Türkische Medien berichteten jedoch, die Türkei verlange bis zu 28 Milliarden Dollar von den USA.
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