USA haben angeblich Beweise: Iran bestreitet geheime Atomanlagen
zuletzt aktualisiert: 13.12.2002 - 17:45Wien/Teheran/Washington (rpo). Der Iran hat die US-Vorwürfe zu angeblich geheimen Atomanlagen zurückgewiesen. Nach den Worten des Generaldirektors der Internationalen Atomenergie- Organisation (IAEO) Mohammed el Baradei sind die CNN-Bilder nicht neu. Die IAEO will die neuen iranischen Atomanlagen bald besuchen.
Laut CNN haben die USA Beweise für den Bau bisher geheimer großer Atomanlagen in Iran. Unter Berufung auf US-Regierungsbeamte hieß es, kommerzielle Satellitenbilder vom September zeigten eine nukleare Einrichtung nahe der zentraliranischen Stadt Natanz und eine weitere bei Arak. Die Größe und Art der Anlagen legten nach Auffassung von amerikanischen Atomexperten den Verdacht nahe, dass Iran dabei sein könnte, eine nukleare Waffe zu bauen. "Es sieht ganz danach aus, als ob Iran an sehr großen Nukleareinrichtungen arbeitet, die der Gewinnung von Material zum Atomwaffenbau dienen könnten", zitierte CNN den Atomexperten David Albright vom Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (ISIS), das die Fotos analysiert hat.
"Die iranische Seite hat bestätigt, dass sie eine Reihe nuklearer Einrichtungen baut, und uns eingeladen, diese auch anzusehen", betonte demgegenüber el Baradei. Ein für diese Woche geplanter Besuch sei allerdings von Teheran verschoben worden. Als Grund habe die Regierung einen Auslandsbesuch von Präsident Mohammed Chatami genannt. Als möglichen neuen Termin nannte el Baradei Februar nächsten Jahres. "Es gibt bisher auch keinerlei Anzeichen, dass versucht wurde, zur friedliche Nutzung bestimmtes nukleares Material für militärische Zwecke abzuzweigen."
El Baradei unterstrich das Interesse der IAEO an einem baldigen Zugang zu den Atomanlagen. Er fügte hinzu, dass Teheran die UN- Organisation besser noch eher über die geplanten Bauten informiert hätte. Die IAEO habe vor etwa sechs Monaten vom Bau der beiden neuen Anlagen erfahren.
Der IAEO-Generaldirektor versicherte auf der Pressekonferenz in Wien, er bemühe sich auch sehr um eine friedliche Lösung mit Nordkorea. Pjöngjang hatte am Donnerstag angekündigt, seine Atomanlagen wieder in Betrieb nehmen zu wollen und die IAEO offiziell aufgefordert, alle Überwachungskameras und Siegel aus den Anlagen zu entfernen. "Wir brauchen eine diplomatische Lösung in dieser Frage, wir wollen den Dialog aufrechterhalten", sagte el Baradei. Die neue Haltung Nordkoreas sei ein klarer Verstoß gegen die Abmachungen mit der Atombehörde in Wien. Immerhin dürften aber die im Land tätigen IAEO-Inspekteure bleiben und würden bislang auch nicht an der Arbeit gehindert.
Mit Blick auf die Inspektionen im Irak bat el Baradei um Geduld. "Dieser Prozess braucht etwas Zeit." Die Experten der Atombehörde seien noch dabei, das jüngst vom Irak übergebene Dossier zu prüfen. Rund 300 Seiten in arabischer Sprache seien zu durchforsten, wobei nach erster Einschätzung auch bisher unbekanntes Material darunter sein dürfte. US-Geheimdienstexperten sind laut US-Medienberichten zu dem Schluss gekommen, dass das irakische Waffendossier allerdings große Lücken aufweise.
So fehlten zum Beispiel Angaben über bestimmte chemische und biologische Stoffe. Auch die Erklärungen zum Atomprogramm ließen viele Fragen offen, hieß es weiter. Unter anderem gebe es keine Antwort darauf, warum der Irak in vergangenen Jahren versucht habe, Uran in Afrika zu kaufen. "Es ist bemerkenswert, wie wenig Neues das Dossier enthält", zitierte die "New York Times" einen Regierungsbeamten. Der Sender CNN berichtete, das Weiße Haus sei der Auffassung, "dass die irakische Erklärung weit, weit, weit entfernt von dem ist, was Bagdad hätte offen legen müssen".
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