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Attendorn/Berlin
IS-Zelle plante Anschlag in Berlin

Attendorn/Berlin. Die Polizei hat eine islamistische Terrorzelle zerschlagen. Razzien gab es in drei Bundesländern; der Hauptverdächtige lebte im Sauerland. Spuren führen zu den Drahtziehern der Attentate von Paris.

Vier Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben nach Ansicht der Ermittlungsbehörden einen Anschlag in der deutschen Hauptstadt geplant. Durch eine Großrazzia in der sauerländischen Stadt Attendorn, in Berlin und in Niedersachsen wurde gestern eine islamistische Terrorzelle zerschlagen. Ermittelt werde gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, teilte die Polizei mit. Zwei Männer und eine Frau wurden festgenommen: ein 35-Jähriger und dessen 27-jährige Frau in Attendorn sowie ein 49-Jähriger in Berlin.

Der Mann aus Attendorn, der als Hauptverdächtiger gilt, soll 2015 als Flüchtling eingereist sein. Der Mann hat sich nach Polizeiangaben auch in Syrien aufgehalten. Im Herbst gelangte er nach Medienberichten über die Balkanroute nach Deutschland und wurde in Bayern als Flüchtling registriert. Aufgegriffen wurde er in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Ein Polizeisprecher sagte, man habe einem algerischen Festnahme-Ersuchen wegen der IS-Mitgliedschaft des Mannes und seiner Frau entsprochen.

Nach Informationen unserer Redaktion hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz erste Hinweise auf den Mann. Sicherheitskreise bestätigten, dass die Verfassungsschützer dann mit nachrichtendienstlichen Mitteln weitere Spuren verfolgten und die drei weiteren potenziellen Attentäter aufspürten.

Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft sagte: "Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin." Die Unterlagen würden nun ausgewertet, um zu prüfen, ob sich der Verdacht erhärten lasse. Waffen oder Sprengstoff wurden nicht gefunden.

Die "Bild"-Zeitung nannte den Alexanderplatz in der Innenstadt als mögliches Terrorziel. Offenbar berieten die Verdächtigen auch über ein Attentat auf den früheren Checkpoint Charlie. Unklar war zunächst, wie konkret die Planungen schon waren - die Deutsche Presse-Agentur berief sich auf Aussagen von Sicherheitskreisen, wonach die Vorbereitungen noch sehr vage waren. Der "Tagesspiegel" berichtete dagegen, die Polizei habe zugeschlagen, weil die mutmaßlichen Terroristen seit Tagen nicht mehr über ihre Pläne geredet hätten. Deshalb sei zu befürchten gewesen, "dass sie ihre Planungen abgeschlossen hatten". Zuvor hatten die Verdächtigen verschlüsselt kommuniziert und mehrmals die Handys gewechselt.

Eine Spur führt zu den Drahtziehern der verheerenden Attentate von Paris im November. Der vierte Verdächtige hatte offenbar Verbindungen zu belgischen Islamisten. Der 26-Jährige sei mindestens einmal nach Molenbeek in Belgien gereist. Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Hintermann der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, gelebt. Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei jedoch nicht zu erkennen, hieß es in Sicherheitskreisen. Auch konkrete Hinweise auf Anschlagspläne gegen Karnevalsumzüge in Deutschland gab es bei den Behörden nicht.

Quelle: RP
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