Beurteilung der Selbstmordanschläge strittig: Islamische Welt gespalten
zuletzt aktualisiert: 01.04.2002 - 17:35Kuala Lumpur (rpo). Die islamische Welt ist sich in der Bewertung des palästinensischen Verhaltens im Nahostkonflikt nicht einig. Eine tiefe Kluft zeichnet sich ab.
Zu Beginn eines dreitägigen Treffens der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in Kuala Lumpur rief der malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad am Montag dazu auf, jeden Angriff auf Zivilpersonen als Terrorakt zu werten. Dem widersprach der außenpolitische Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde, Faruk Kaddumi. Einig war man sich in der scharfen Verurteilung der israelischen Besatzungspolitik.
Bei ihren Beratungen wollen die Delegierten aus mehr als 50 Ländern eine allgemein verbindliche Definition für Terrorismus finden, die dann auch von den Vereinten Nationen übernommen werden könnte. Mahathir erklärte, die islamische Welt müsse gegen das negative Image ankämpfen, das ihr seit dem 11. September anhänge. Deshalb sei eine eindeutige Distanzierung vom Terrorismus unabdingbar: "Wir mögen verärgert und verbittert sein, dennoch müssen wir der Welt zeigen, dass Muslime rationale Menschen sind, die um ihre Rechte kämpfen, ohne dabei zum Terror zu greifen."
Ein Angriff auf Zivilpersonen sei grundsätzlich ein Akt des Terrors, selbst wenn er einer gerechten Sache dienen solle, betonte Mahathir. Darunter fielen die Anschläge vom 11. September ebenso wie die israelischen Militäraktionen in den besetzten Gebieten oder die palästinensischen Selbstmordattentate. Kaddumi hielt dem entgegen, dass es für Selbstmordanschläge einen guten Grund geben könnte - nämlich den Kampf gegen Staatsterrorismus. Deshalb sollten diese Attentate nicht grundsätzlich als Terrorakte verurteilt werden, forderte der palästinensische Außenminister.
Einig waren sich die in dieser Frage gespaltenen Delegierten in der Verurteilung Israels, das den gesamten Nahen Osten in einen Krieg zu stürzen drohe. In einer Resolution wird der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dazu aufgefordert, "abschreckende Sanktionen" gegen Israel zu verhängen. Zugleich solle das Gremium "die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um dem palästinensischen Volk internationalen Schutz zukommen zu lassen".
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