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Große Friedensdemonstration in Tel Aviv: Israel: 100.000 demonstrieren für den Frieden

zuletzt aktualisiert: 02.11.2002 - 22:25

Jerusalem/Tel Aviv (rpo). Während der als stark rechts geltende Ex-Armeechef Schaul Mofas laut israelischen Medienberichten offiziell zugestimmt hat, das israelische Verteidigungsressort zu übernehmen, zeigte in Tel Aviv die israelische Friedensbewegung beeindruckende Präsenz: Etwa 100.000 gingen auf die Straße.

Während die israelische Regierung durch den Austritt der Arbeitspartei und den Eintritt des ehemaligen Generalstabschefs Schaul Mofas als neuer Verteidigungsminister weiter nach rechts rückt, hat in Tel Aviv am Samstag eine große Friedensdemonstration stattgefunden.

Israelische Medien berichteten am Abend, Mofas habe Ministerpräsident Ariel Scharon offiziell unterrichtet, dass er das Angebot auf Übernahme des Verteidigungsressorts annehme. Die Ernennung muss am Montag noch von der Knesset gebilligt werden. Am Sonntag will der Premier formale Verhandlungen über einen Regierungseintritt der ultrarechten Gruppierung "Nationale Union - Unser Haus Israel" aufnehmen. Gemeinsam würde die neue Koalition über 63 von 120 Mandaten verfügen.

Scharon wollte am Sonntag erneut mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zusammentreffen. Der Armeesender meldete, Netanjahu werde dabei voraussichtlich das Angebot ablehnen, das Amt des Außenministers zu übernehmen. Netanjahu habe Scharon am Freitag während eines Treffens auf dessen Farm in der Negev-Wüste zu raschen Neuwahlen gedrängt.

Die Arbeitspartei war am Mittwoch wegen eines Streits über den Haushalt 2003 und die Finanzierung jüdischer Siedlungen aus der Koalition Scharons ausgeschieden. Der Parteivorsitzende Benjamin Ben- Elieser hatte seinen Rücktritt als Verteidigungsminister eingereicht. Die Ernennung Mofas' löste auf palästinensischer Seite Befürchtungen vor einem noch härteren Vorgehen der israelischen Armee in den Palästinensergebieten aus. Mofas gilt als sehr rechtsorientiert und hatte Scharon in der Vergangenheit zur Ausweisung des Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat gedrängt.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nahmen etwa 120 000 Israelis am Abend in Tel Aviv an einer Gedenkzeremonie für den vor sieben Jahren ermordeten Ministerpräsidenten Izchak Rabin teil. Die Demonstranten versammelten sich auf dem Platz im Stadtzentrum, auf dem Rabin 1995 von einem jüdischen Fanatiker erschossen wurde. Unter dem Motto "Gemeinsam gedenken und an den Frieden glauben" forderten die Demonstranten eine friedliche Lösung des Konflikts mit den Palästinensern. Über Lautsprecher wurden aufgezeichnete Reden des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und des jordanischen Königs Abdullah ausgestrahlt. Alle drei würdigten Rabins Rolle im Friedensprozess und forderten eine Rückkehr zum Weg des Friedens in Nahost.

Der zurückgetretene israelische Außenminister Schimon Peres, der gemeinsam mit Rabin und dem damaligen PLO-Chef Jassir Arafat den Friedensprozess in Gang gebracht hatte, traf am Samstag am Rande eines internationalen Mittelmeer-Forums auf der spanischen Ferieninsel Mallorca mit führenden Palästinensern zusammen. Nach dem Gespräch mit dem palästinensischen Chefunterhändler Sajeb Erekat und dem ehemaligen Arafat-Berater Mohammed Dachlan, an dem auch der israelische Parlamentspräsident Avraham Burg teilnahm, äußerte Peres sich optimistisch. "Ich bin davon überzeugt, dass der Frieden näher ist, als wir glauben", sagte er. "Erstmals in der Geschichte gibt es auch in der israelischen Gesellschaft und bei den Parteien des rechten Lagers eine allgemeine Einsicht über die Notwendigkeit, einen palästinensischen Staat zu schaffen."

Dachlan entgegnete, die Gewalt sei nur eine Reaktion auf die jahrelange "kollektive Bestrafung" und die "alltägliche Erniedrigung" durch die Israelis. Das eigentliche Problem sei, dass Premier Scharon den Frieden in Wirklichkeit gar nicht wolle.

Quelle: RPO Archiv

 
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