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58 Menschen an Bord: Israel: Flugzeugentführer gibt auf

zuletzt aktualisiert: 12.11.2000 - 17:01

Tel Aviv (dpa). Ein geistig verwirrter Mann hat ein russisches Flugzeug mit 47 Passagieren und zehn Besatzungsmitgliedern von Dagestan im Kaukasus nach Israel entführt. Die Entführung ging dort am Sonntag nach zwölf Stunden ohne Blutvergießen zu Ende. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten die Maschine vom Typ Tupolew-154 unverletzt auf dem Flughafen Uvda in Süd-Israel verlassen.

Der aus Dagestan stammende Entführer hatte sich zuvor den Israelis ergeben. Ein Armeesprecher sagte, der "knapp 30 Jahre alte Mann" habe keine anti-israelischen Motive für seine Tat angegeben. Zunächst hatte es geheißen, die Entführung sei von zwei Tschetschenen aus Solidarität mit dem Aufstand der Palästinenser verübt worden. Die drei-strahlige Tupolew 154 der Fluggesellschaft "Dagestanskije avialiniji" war am Samstagabend aus Machatschkala in der russischen Teilrepublik Dagestan mit 58 Menschen an Bord in Richtung Moskau gestartet, als der Entführer sie in seine Gewalt brachte. Nach seiner Festnahme wurde bekannt, dass der Mann offenbar nur eine Bomben- Attrappe bei sich trug, mit der er die Piloten im Cockpit bedrohte. Dort griff er sich offenbar dann die Pistole eines der Piloten.

Auf ihrem neuen Kurs musste das Flugzeug zum Auftanken in Baku in Aserbeidschan zwischenlanden. Am Sonntagmorgen landete die Tupolew dann, eskortiert von zwei israelischen Kampfflugzeugen, auf dem Flughafen Uvda in der Negev-Wüste 50 Kilometer nördlich von Eilat in Süd-Israel. Die Landung auf dem internationalen Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv hatten die Israelis verboten.

Etwa zweieinhalb Stunden nach der Landung verließ der Entführer die Maschine. Im Laufe der Verhandlungen mit den Israelis durften zunächst etwa zehn Passagiere das Flugzeug verlassen. Nach der Aufgabe des Entführers untersuchten Spezialisten der israelischen Armee zunächst die Maschine auf mögliche versteckte Bomben und Zeitzünder, bevor alle Menschen von Bord durften.

Israels Generalstabschef Schaul Mofas, der die Verhandlungen leitete, sagte nach dem glücklichen Ende der Entführung über den aus Tschetschenien stammenden Entführer: "Ich würde ihn als merkwürdigen Menschen beschreiben". Unter anderem sagte der Mann aus, er habe mit seiner Tat darauf hinweisen wollen, dass "die gelbe Rasse die Vorherrschaft über die weiße Rasse erzwingen wolle". Offenbar hatte er eine starke Abneigung gegen Japaner.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak hatte angesichts der Entführung zunächst seine Reise zu Gesprächen mit US-Präsident Bill Clinton in London unterbrochen und war nach Israel zurückgeflogen. Als sich ein friedliches Ende der Entführung abzeichnete, kehrte Barak erneut um und setzte seine Reise nach Washington fort.

Quelle: RPO Archiv

 
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