Kampfhubschrauber und Panzer schießen auf Libanesen: Israel greift angeblich Zivilisten an
zuletzt aktualisiert: 22.05.2000 - 21:36Beirut (AP). Israelische Kampfhubschrauber und Panzer haben nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise am Montag hunderte libanesischer Zivilisten bei der Rückkehr in ihre Dörfer in der noch von Israel besetzten Sicherheitszone in Südlibanon angegriffen. Zwei Menschen seien von den Panzergranaten getötet worden. In Jerusalem hieß es hingegen, die beiden Männer seien offenbar von der Miliz Südlibanesische Armee (SLA) erschossen worden. Bei den Rückkehrern handelt es sich den libanesischen Angaben zufolge um Anhänger von Untergrundgruppen. Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Ephraim Sneh schloss einen erneuten Truppeneinmarsch nach dem Abzug aus der Sicherheitszone nicht aus.
Die Libanesen zogen zu Fuß, in Autos und Lastwagen in mittlerweile zwölf Ortschaften ein, die von der mit Israel verbündeten SLA geräumt wurden. Dutzende SLA-Kämpfer liefen angesichts des israelischen Rückzugs aus Südlibanon auf die libanesische Seite über. Der israelische Truppenabzug soll bis zum 7. Juli abgeschlossen sein.
Sneh schloss einen erneuten Truppeneinmarsch nicht aus, falls die Untergrundorganisation Hisbollah israelische Ortschaften an der Grenze bedrohe. Er kritisierte, dass die Friedenstruppen der Vereinten Nationen das Vordringen von Anhängern der Hisbollah in die Sicherheitszone zuließen. Wenn die UN-Truppen nach dem israelischen Abzug das Machtvakuum nicht ausfüllten, werde dies die Hisbollah tun. Die Regierung warf am Montag UN-Soldaten vor, die Anhänger der Hisbollah und der Amal-Miliz seien über von ihnen kontrollierte Übergänge in die Sicherheitszone gelangt und von UN-Mitarbeitern begleitet worden. Die UN-Truppen trügen zu einer Eskalation der Lage bei, hieß es in einer Erklärung der Regierung. Israel hatte den Gebietsstreifen entlang seiner Nordgrenze 1985 besetzt, um Übergriffe von Guerillakämpfern auf den Norden Israels zu verhindern. n libanesische Sicherheitskräfte.
Etwa ein Dutzend Familien aus dem Ort Taibeh, bei denen es sich offenbar um Angehörige von SLA-Kämpfern handelt, versammelten sich indessen am Montag an einem Grenzübergang nach Israel und verlangten Asyl in Israel. Wie Gewährsleute mitteilten, nahm das israelische Militär Verhandlungen mit der Gruppe auf. Auch SLA-Kämpfer kamen zur Grenze und baten um Aufnahme.
Hisbollah-Kämpfer griffen erneut mehrere Außenposten der SLA an. Bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe wurde außerdem ein SLA-Milizionär verletzt, wie die israelischen Streitkräfte mitteilten. Die israelische Luftwaffe ihrerseits griff vermutete Stellungen der Hisbollah in Südlibanon an.
Krisensitzung in Israel wegen Lage in Südlibanon
Nach dem Vormarsch pro-iranischer Hisbollah-Milizen in Südlibanon ist das israelische Sicherheitskabinett am Montagabend zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Die Sitzung sei von Ministerpräsident Ehud Barak einberufen worden, berichtete das israelische Fernsehen.
Der teilweise Zusammenbruch der SLA bedroht den Rückzugsplan Israels aus dem besetzten Gebiet. Das Sicherheitskabinett wolle über den Zeitplan des bisher bis 7. Juli geplanten Rückzugs aus Südlibanon beraten, hieß es. In den vergangenen Tagen hatte es wiederholt Berichte über einen möglichen beschleunigten Rückzug Israels aus Südlibanon gegeben.
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