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Attentäter identifiziert - Hamas bekennt sich zu Tat: Israel ordnet militärische Maßnahmen an

zuletzt aktualisiert: 03.06.2001 - 19:13

Tel Aviv/Jerusalem (rpo). Die israelische Regierung hat beschlossen ihre vorläufige Zurückhaltung nach dem blutigen Selbstmordanschlag eines Palästinensers in Tel Aviv mit 20 Todesopfern aufzugeben. Am Sonntag wurde die Armee angewiesen, ihre offensiven Aktionen gegen die radikalen Palästinensergruppen Hamas und Dschihad wieder aufzunehmen. Zunächst hatte das israelische Kabinett beschlossen, Vergeltungsmaßnahmen für den Anschlag, der auch international große Empörung ausgelöste, zunächst aufzuschieben.

Der israelische Rundfunk meldete, Aktionen gegen Mitglieder der radikalen palästinensischen Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad ("Heiliger Krieg") hätten "bereits begonnen". Auch Operationen gegen Einrichtungen der palästinensischen Autonomiebehörde seien vorgesehen, "sobald dies effektiv" sei, hieß es. Dabei werde man "nicht nur gegen leere Gebäude vorgehen".

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte vor knapp zwei Wochen eine "einseitige Waffenruhe" erklärt und die Armee angewiesen, auf offensive Aktionen in den Palästinensergebieten zu verzichten. Begleitet von intensiven internationalen Vermittlungsbemühungen beschloss die Regierung Scharon am Sonntag, noch abzuwarten, ob die Palästinenser die am Vortag von Jassir Arafat verkündete Waffenruhe umsetzen. Der französische Außenminister Hubert Vedrine und der US-Außenminister Colin Powell begrüßten am Sonntag den bisherigen Verzicht Israels auf Vergeltungsangriffe.

Die verschiedenen palästinensischen Fraktionen, darunter auch Hamas und Dschihad, erklärten nach einem Treffen in Gaza, man wolle den Aufstand gegen Israel fortsetzen, "bis die Ziele des palästinensischen Volkes, Rückkehr und Unabhängigkeit, erreicht sind". Der Chef des palästinensischen Sicherheitsdienstes, Abdel Rasek el Madschaida, hatte am Samstagabend erklärt, man habe Kontakt mit den verschiedenen militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen aufgenommen, um die Waffenruhe umzusetzen.

Scharon und Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser äußerten sich während einer Kabinettssitzung in Jerusalem skeptisch über die Ernsthaftigkeit der von Arafat erklärten Waffenruhe. Gleichzeitig bestätigte Ben-Elieser jedoch, die israelische Armee habe innerhalb der vergangenen 24 Stunden einen erheblichen Rückgang von Schusswechseln in den Palästinensergebieten verzeichnet.

Selbstmordattentäter ist identifiziert

Mitarbeiter internationaler Organisationen begannen nach Medienberichten damit, ihre Vertretungen in den palästinensisch kontrollierten Gebieten zu verlassen und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Aus Furcht vor möglichen Vergeltungsschlägen Israels räumte die palästinensische Autonomiebehörde im Gazastreifen und Westjordanland öffentliche Gebäude.

Am Sonntagmorgen starb in einem Tel Aviver Krankenhaus eine weitere Jugendliche, die am Freitagabend bei dem Selbstmordanschlag auf eine Diskothek in Tel Aviv schwer verletzt worden war. Mit dem Tod der 15-Jährigen stieg die Zahl der Toten einschließlich des Attentäters auf 20. 48 der insgesamt 120 Verletzten lagen noch im Krankenhaus, drei von ihnen schwebten weiterhin in Lebensgefahr.

Der bewaffnete Flügel der palästinensischen Untergrundorganisation Hamas, Issedin el Kassem, hat sich am Sonntag zu dem Bombenanschlag. Es war der folgenschwerste Anschlag gegen Israel seit fünf Jahren. Der Selbstmordattentäter ist inzwischen identifiziert worden. Aus Kreisen der Hisbollah-Miliz in Libanon verlautete am Sonntag, bei dem Täter handele es sich um den 23 Jahre alten Hassan Chudri aus Kalquilia im Westjordanland. Der Radiosender El- Jezira berichtete, Chudri stamme aus Jordanien, habe aber in den vergangenen beiden Jahren in Kalquilia gelebt. Der Vater des Attentäters habe in einem Interview in Jordanien gesagt, er sei stolz auf die Tat seines Sohnes, die er als "Heiligen Krieg" bewertete.

Israels Armee- und Polizeikräfte verstärkten unterdessen aus Furcht vor weiteren Anschlägen ihre Präsenz entlang der so genannten Grünen Grenze zwischen dem Westjordanland und Israel sowie in den Bevölkerungszentren. In den Palästinensergebieten kam es am Sonntag nur zu vereinzelten Zwischenfällen.

Quelle: RPO Archiv

 
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