Ein Israeli und ein Palästinenser getötet: Israel setzt trotz Anschlägen weiter auf Waffenruhe
zuletzt aktualisiert: 20.06.2001 - 18:54Jerusalem (rpo). Trotz der jüngsten Angriffe von Palästinensern hält Israel weiter an der vereinbarten Waffenruhe fest. Das israelische Sicherheitskabinett entschied sich am Mittwoch gegen eine Rückkehr zur Politik der Vergeltung, behielt sich aber das Recht vor, Angriffe auf israelische Soldaten und Zivilisten zu verhindern.
Wenige Stunden nach der Entscheidung wurde im Westjordanland ein jüdischer Siedler getötet, bei Ramallah erschossen israelische Soldaten einen Palästinenser.
Trotz der Zwischenfälle trafen sich Sicherheitsexperten beider Seiten am Mittwochabend, um über weitere Schritte zur Deeskalation zu beraten. Die israelische Seite hatte vor dem Treffen angekündigt, Pläne für einen Rückzug der Armee aus Brennpunkten im Westjordanland und dem Gazastreifen vorzulegen. Diese würden aber nur umgesetzt, wenn die palästinensischen Angriffe aufhörten.
Das israelische Sicherheitskabinett machte den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat am Mittwoch persönlich für die tödlichen Angriffe auf Israelis verantwortlich. Arafat habe nichts getan, um die Angreifer zu stoppen. Dieser wies den Vorwurf zurück und beschuldigte Israel im Gegenzug, die Waffenruhe zu verletzen: "Die Israelis haben nicht aufgehört, auf Palästinenser zu schießen." Arafat warf Israel zudem vor, jüdische Siedler zu schützen, die Verbrechen an Palästinensern begangen hätten.
Während die Sicherheitsexperten über die Umsetzung des so genannten Tenet-Plans berieten, kam es im Westjordanland zu neuen tödlichen Attacken. Nahe der jüdischen Siedlung Chomesch wurde ein Israeli aus einem vorbeifahrenden Auto heraus erschossen. Fast an gleicher Stelle war bereits am Montag ein jüdischer Siedler getötet worden. Es war das vierte israelische Todesopfer seit Beginn des Waffenstillstandes in der vergangenen Woche. In der Nähe von Ramallah erschossen israelische Soldaten an einer Straßensperre einen Palästinenser, den fünften seit Beginn des Waffenstillstandes.
Der Führer von Arafats Fatah-Bewegung im Westjordanland, Marwan Barghuti, kündigte weitere Anschläge auf jüdische Siedler an. Die palästinensischen Bewegungen würden ihren Widerstand gegen die Siedler und die Besatzung fortsetzen, sagte er der Nachrichtenagentur AP.
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