"Möglichst wenig diplomatischen Schaden anrichten": Israel verzichtet auf Vergeltungsschläge
zuletzt aktualisiert: 24.11.2000 - 14:37Jerusalem (AP). Israel verzichtet vorerst auf einen Vergeltungsschlag gegen die Palästinenser. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ephraim Sneh sagte am Freitag im israelischen Rundfunk, nach dem jüngsten Anschlag in der Stadt Hadera habe das Kabinett eine Reihe von Maßnahmen gebilligt. Deren Ziel sei es, die "Terroristen zu bestrafen, gleichzeitig aber so wenig diplomatischen Schaden wie möglich" anzurichten.
Sneh sprach in der Nacht am Grenzpunkt Eres auch mit zwei Beratern des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat. Dabei ging es seinen Worten zufolge darum, die jüngste Welle von Gewalttätigkeiten im Nahen Osten zu stoppen.
Sneh kündigte eine "wirksamere Reaktion" auf den Anschlag in Hadera für später an. Einer der israelischen Befehlshaber in Gaza, Oberst Pini Levi, deutete an, dass seine Truppen gegen bewaffnete Araber vorgehen wollten, eventuell auch in Gebieten, die von den Palästinensern selbst kontrolliert werden. Bei dem Autobombenanschlag in der Stadt nördlich von Tel Aviv waren am Mittwoch zwei Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden.
In vergleichbaren Fällen hatte Israel mit militärischen Vergeltungsschlägen reagiert. Nach einem Raketenangriff auf die Stadt Gaza Anfang der Woche als Antwort auf einen Schulbus-Anschlag hatte jedoch Ägypten den Botschafter aus Israel abgezogen, und auch die USA hatten die Regierung von Ministerpräsident Ehud Barak scharf kritisiert.
Angesichts der angespannten Lage maßen Beobachter der Begegnung in Eres zwischen Sneh und zwei Beratern Arafats besondere Bedeutung bei. Nach palästinensischen Angaben wurde darüber gesprochen, die am 17. Oktober in Scharm el Scheich getroffenen Waffenstillstandszusagen umzusetzen. Dazu gehörte auch ein Rückzug der israelischen Streitkräfte. Bislang machten sich beide Seiten dafür verantwortlich, dass die unter Vermittlung von US-Präsident Bill Clinton getroffenen Vereinbarungen nicht umgesetzt wurden. Seit Beginn der Unruhen wurden insgesamt 260 Menschen getötet, die meisten Opfer waren Palästinenser.
Arafat äußerte sich zufrieden, nachdem ihn die beiden Berater Tajeb Abdel Rahim und Dschamil Tarifi über den Verlauf des Treffens unterrichtet hatten. Er besprach die Ergebnisse des Treffens von Eres mit seinem Sicherheitsrat und reiste später nach Moskau, wo er mit unter anderem mit Präsident Wladimir Putin über die Lage im Nahen Osten sprechen wollte.
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