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Arafat: Palästinenser mit Gewalt "in die Knie zwingen": Israelis beschießen zwei Flüchtlingslager im Gazastreifen

zuletzt aktualisiert: 17.05.2001 - 16:09

Gaza (rpo). Mit Panzergranaten hat die israelische Armee am Donnerstag zwei Flüchtlingslager im Gazastreifen beschossen. Nach Angaben der Palästinenser wurden dabei vier Menschen zum Teil schwer verletzt.

Wenige Stunden zuvor hatten die Israelis erneut zahlreiche Raketen auf Gebäude palästinensischer Polizeieinheiten gefeuert.

Mehrere Gebäude in den dicht bevölkerten Lagern Dschabalia nördlich von Gaza und Chan Junis im Süden des Streifens wurden schwer beschädigt. Palästinenserpräsident Jassir Arafat warf der israelischen Armee darauf vor, sie wolle die Palästinenser mit Gewalt "in die Knie zwingen".

Nahe dem Ort Karara drangen Truppen erneut in autonomes Gebiet ein. Den Angriffen waren Schießereien mit Palästinensern voraus gegangen. In der Nacht hatten Kampfhubschrauber mehrere Häuser in der Stadt Dschenin beschossen, darunter das Gouverneursgebäude und ein Gebäude der "Force 17", einer Eliteeinheit, die Israel für bewaffnete Überfälle auf Israelis verantwortlich macht.

Ägypten zweifelt am Friedenswille der Regierung Sharon

Angesichts der jüngsten Eskalation warf der neue ägyptische Außenminister Ahmed Maher Israel am Donnerstag vor, es versuche die palästinensische Autonomie mit militärischen und wirtschaftlichen Maßnahmen zu zerstören. Die von Israel angekündigten Erleichterungen für die Palästinenser ließen bis heute auf sich warten, sagte Maher, der "generelle Zweifel am Friedenswillen der Regierung Scharon" äußerte.

Nach einem Bericht des israelischen Rundfunks stößt die vom israelischen Generalstab angeordnete Verschärfung der Angriffe gegen militante Palästinenser bei Teilen des Offiziers-Korps auf Widerstand. Es gebe "führende Offiziere", die den Befehl, bestimmte Gruppen ununterbrochen zu verfolgen und anzugreifen, als "unverhältnismäßig und unwirksam" bezeichneten. Allerdings gelte diese Meinung nicht für den Generalstab.

Dessen ungeachtet bekräftigte Israels Polizeiminister Usi Landau die Absicht, die Gewalt in den Palästinensern mit allen Mitteln zu bekämpfen. Landau sagte vor Vertretern US-amerikanischer Juden am Mittwochabend in New York, Israel könnte zu einem "umfassenden Angriff" gegen die Palästinenser gezwungen werden. Landau hatte zuvor zugegeben, dass israelische Soldaten am vergangenen Montag im Westjordanland fünf palästinensische Polizisten "versehentlich" erschossen haben. Außenminister Schimon Peres drückte darüber sein "Bedauern" aus.

Arafat, der am Donnerstag von Gesprächen in Tunis und Kairo nach Gaza zurückkehrte, wird angesichts der Entwicklung in der Region am Samstag die Außenminister der arabischen Liga in Kairo treffen. Arafat bestritt Berichte, dass es konkrete Pläne für ein Treffen zwischen ihm und US-Außenminister Colin Powell in der kommenden Woche in Europa gebe. Die USA haben Arafat bisher eine offizielle Einladung ins Weiße Haus nach Washington verweigert.

Unterdessen berichtete die in London erscheinende arabische Zeitung "Al Kuds al Arabi" von ernsthaften Meinungsverschiedenheiten zwischen dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und Syriens Präsident Baschar el Assad. Assad hatte am Mittwochabend überraschend ein Gespräch mit Mubarak in Scharm el Scheich vorzeitig beendet. In "Al Kuds" hieß es dazu, es gebe zwischen beiden Politikern grundsätzliche Auffassungsunterschiede über die Politik gegenüber Israel und den Palästinensern. Während Damaskus die Intifada gegen Israel mit Hilfe der arabischen Staaten aktiv unterstützen wolle, sei Ägypten um eine Beruhigung der Lage bemüht.

Quelle: RPO Archiv

 
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