Peres kritisiert Hardliner im Kabinett: Israelis und Palästinenser werfen sich gegenseitig Krieg vor
zuletzt aktualisiert: 05.07.2001 - 16:36Jerusalem (rpo). Mit scharfen Worten haben sich Israelis und Palästinenser am Donnerstag gegenseitig vorgeworfen, Krieg zu führen und die Waffenruhe zu verletzen.
Der palästinensische Informationsminister Jasser Abed Rabbo nannte den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon einen professionellen Killer. Zugleich kritisierte der israelische Außenminister Schimon Peres die Vertreter einer harten Linie im Kabinett, die den Konflikt mit den Palästinensern gewaltsam lösen wollen.
Peres sagte, viele Minister täten ihre Vorstellungen darüber kund, wie die Unruhen ihrer Meinung nach schnell beendet werden könnten. "Ich habe die undankbare Aufgabe, als Bremse zu fungieren", sagte er in einem Radiointerview.
Ben-Elieser bekräftigte, Israel werde an seiner Politik der gezielten Attentate auf verdächtige Palästinenser festhalten. Dies geschehe "zu unserer Sicherheit", sagte er und warf dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat vor, den am 13. Juni in Kraft getretenen Waffenstillstand systematisch zu verletzen. "Während wir die Waffenruhe und alle Abkommen respektieren, tut Arafat das nicht", sagte Ben-Elieser. "Wir haben ein Problem, mit jemandem zu verhandeln, der Krieg gegen uns führt."
Das israelische Kabinett hatte am Dienstag beschlossen, mutmaßliche Anführer des palästinensischen Aufstands weiter gezielt zu töten. Bislang sind bei solchen Attentaten nach Angaben einer palästinensischen Menschenrechtsgruppe 24 Palästinenser ums Leben gekommen. Rabbo erklärte, damit verletze Israel den Waffenstillstand. Der Führer von Arafats Fatah-Bewegung im Westjordanland, Marwan Barghuti, nannte Israels Politik eine "Kriegserklärung an das palästinensische Volk".
In den Autonomiegebieten blieb es am Donnerstag zunächst relativ ruhig. Zwei palästinensische Jungen im Alter von zwölf und 14 Jahren wurden verletzt, als im Gazastreifen in der Nähe der ägyptischen Grenze eine Bombe explodierte. Der Hintergrund der Detonation blieb unklar.
Residenz des belgischen Botschafters beschmiert
In Jerusalem beschmierten offenbar radikale Juden am Donnerstag das Haus des belgischen Botschafters. Leo Dass wachte in der Nacht auf, als ein Fenster eingeworfen wurde. Die Hauswand war mit Parolen wie "Judenhasser raus" und "Nazis raus" besprüht. Anlass für die Aktion ist offenbar die Klage gegen Scharon wegen Kriegsverbrechen vor einem belgischen Gericht. Im Juni hatten Überlebende des Massakers von 1982 in den Beiruter Flüchtlingslagern Sabra und Schatila Klage gegen Scharon eingereicht. Das belgische Gesetz erlaubt auch die Aburteilung von im Ausland verübten Kriegsverbrechen.
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