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Rom
Italien ringt um die Homo-Ehe

Rom. Aktivisten kritisieren das Familienbild der Kirche. Der Papst widerspricht.

Die Atmosphäre in Fußballstadien sagt immer auch etwas über die Befindlichkeit der Menschen in einem Land aus. Beim Pokalspiel am vergangenen Dienstag beschimpfte der Trainer des SSC Neapel sein Gegenüber von Inter Mailand als "Schwuchtel". Maurizio Sarri wurde daraufhin vom Sportgericht für zwei Spiele gesperrt, mehr nicht.

Homophobie ist in Italien immer noch weit verbreitet. Dennoch wird dieser Tage ein Gesetz zur Gleichstellung homosexueller Partnerschaften diskutiert. Während sogar in katholischen Bastionen wie Irland oder Malta entsprechende Regelungen für homosexuelle Partnerschaften eingeführt wurden, ist die Situation in Italien immer noch nicht geregelt. Die Lücken betreffen unter anderem gegenseitige Fürsorge- und Unterhaltspflichten, erbrechtliche und steuerliche Aspekte bis hin zur Hinterbliebenenrente. Das soll sich nun ändern. Ende nächster Woche beginnt im römischen Senat die Diskussion über einen entsprechenden Gesetzesvorschlag für ein Partnerschaftsgesetz nach deutschem Vorbild. Am Samstag machte die Homosexuellen-Bewegung in über 80 italienischen Städten mobil, um für den Gesetzesvorschlag zu werben.

Papst Franziskus hatte am Freitag gemahnt, dass es aus Sicht der katholischen Kirche nur die kirchliche Ehe geben könne. In seiner Jahresansprache an die Richter der Römischen Rota, die vor allem für Ehe-Nichtigkeitsverfahren zuständig ist, warnte er vor einer "Verwechslung zwischen der von Gott gewollten Ehe und anderen Arten der Verbindung". Die Kommentatoren der italienischen Presse werteten dies als bewussten Beitrag des Papstes zur aktuellen Debatte.

Kritiker machen den immer noch großen Einfluss der katholischen Kirche in Italien dafür verantwortlich, dass das Land sich beim Thema Homo-Ehe als letzte Bastion eines traditionellen Familienbilds präsentiert.

(mei)
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