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Leipzig
"Wir lassen dich nicht frei!"

Jaber A.: "Wir lassen dich nicht frei!"
FOTO: dpa, hsc fdt dak
Leipzig. Zwei couragierte Syrer überwältigten Dschaber A. in Leipzig. Einer berichtet nun, der Verdächtige habe sich freikaufen wollen.

"Wir sind geschafft, aber überglücklich", schrieb die sächsische Polizei gestern am frühen Morgen über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Der Terrorverdächtige wurde in der Nacht in Leipzig festgenommen." Was der Tweet nicht erwähnte: Es waren nicht Beamte, sondern zwei syrische Landsleute, die Dschaber A. in Leipzig überwältigten und die Polizei informierten.

Über das dramatische Geschehen berichteten gestern die "Bild"-Zeitung und RTL ausführlich. Beide beriefen sich dabei auf Aussagen eines der beiden Syrer, die Dschaber A. erst halfen und ihn dann erkannten. Demnach spielten sich die entscheidenden Stunden so ab:

Dschaber A. habe am Samstag nach seiner Flucht aus Chemnitz in einem syrischen Internetforum geschrieben, er suche eine Unterkunft und befinde sich am Leipziger Hauptbahnhof. Einer der beiden Syrer aus Leipzig, dessen Name mit Mohammed A. (36) angegeben wird, holte nach eigenen Angaben Dschaber A. dort ab. Zunächst habe man bei einem Freund Reis mit Lammfleisch gegessen; dann habe Dschaber A. bei einem anderen Freund übernachtet, wo mehr Platz war.

Am Sonntag habe Dschaber A. dann nach einem Friseur gefragt, offenbar um sein Aussehen zu verändern. Eins der von "Bild" verbreiteten Fotos soll ihn in kurzer Trainingshose, rotem Sweatshirt und kurzen Haaren auf einem Sofa zeigen. Mohammed A. habe ihm daraufhin den Kopf geschoren.

Im Laufe des Sonntags hätten er und ein Freund dann im Internet Fahndungsaufrufe gesehen; die beiden hätten deshalb am Abend, nachdem Dschaber A. schlafen gegangen sei, Fotos von ihm gemacht und mit anderen Syrern im Internet diskutiert, ob es sich um den Gesuchten handele. Das habe ihre Zweifel ausgeräumt; deshalb hätten sie den Verdächtigen überwältigt und mit Verlängerungskabeln gefesselt. Ein weiteres Foto soll wiederum Dschaber A. zeigen - er trägt offenbar dieselben Kleidungsstücke, hat jetzt aber sehr kurzgeschorene Haare und ist an den Füßen gefesselt. Eine zweite Person hält ihn im Schwitzkasten. Mohammed A. sei dann zur Polizei gegangen und habe dort das Bild des Verdächtigen gezeigt; sein Freund habe den Gefesselten währenddessen bewacht.

Dschaber A. soll angesichts seiner prekären Lage versucht haben, sich bei den beiden Syrern freizukaufen - für 1000 Euro und 200 Dollar. "Die hatte er in einem Rucksack, zusammen mit einem Messer", wird Mohammed A. zitiert. Seine Entscheidung aber sei klar gewesen: "Ich bin aus Syrien über die ganze Balkanroute geflohen. Ich bin Deutschland so dankbar - deshalb war klar, dass wir zur Polizei gehen." Er habe zu Dschaber A. gesagt: "Du kannst uns so viel Geld geben, wie du willst - wir lassen dich nicht frei!" Er sei "total wütend" gewesen: "So etwas akzeptiere ich nicht. Gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat."

Quelle: RP
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