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Düsseldorf
"Jahrzehnt der Baustellen" in NRW

Düsseldorf. Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) will das Straßennetz in Nordrhein-Westfalen in den kommenden zehn Jahren massiv modernisieren und ausbauen. Der Lärmschutz soll dabei oberste Priorität erhalten. Von Martin Kessler und Thomas Reisener

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will die rot-grüne Landesregierung die Dauerstaus in Nordrhein-Westfalen deutlich verringern. Die völlige Staufreiheit sei allerdings eine Illusion, warnte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD). Geplant sind ein besseres Baustellenmanagement, häufigere Streckensperrungen von Autobahnen und ein massiver Ausbau der Lärmschutz-Maßnahmen. Der Schutz der Bürger vor Lärm-Emissionen müsse "dieselbe Priorität haben wie die Optimierung des Verkehrs", sagte der Minister unserer Redaktion.

Nach dem vom Bundeskabinett verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan soll NRW bis 2030 insgesamt 13,8 Milliarden Euro allein für den Ausbau der Bundesstraßen und Autobahnen erhalten. Dazu zählen die Beseitigung von Engpässen auf der A 52 zwischen Mönchengladbach und Düsseldorf sowie der sechsstreifige Ausbau der Niederrhein-Magistrale A 57.

Als "Mahnmal für den Zustand der deutschen Infrastruktur" bezeichnete Groschek die marode Leverkusener Autobahnbrücke auf der A 1. An ihr lasse sich der Bewusstseinswandel in der Haltung zu funktionsfähigen Straßen ablesen. "Alle, die mit Beton zu tun hatten, galten als Dinosaurier", kritisierte der Minister. Jetzt müsse die Autobahnbrücke beschleunigt repariert werden. "Die Risse waren so groß, dass man einen Bleistift hineinstecken konnte", sagte Groschek.

Die Vorbereitungen für die Sperrung der Rheinbrücke sind in vollem Gange. "Es läuft alles nach Plan", sagte Jan Lohoff vom Landesbetrieb Straßen.NRW. Die marode Brücke ist eine der meistbefahrenen Verbindungen bundesweit. Sie ist wegen dringender Reparaturarbeiten seit gestern Abend um zehn Uhr gesperrt. Das Durchfahrtverbot soll bis Montagmorgen gelten. "Wir haben ein großräumiges Umleitungskonzept entwickelt, das sogar bis in die Niederlande reicht", erläuterte Lohoff. Doch trotz Vorankündigung und zahlreicher Hinweisschilder in weitem Umkreis werde es voraussichtlich Staus geben.

Die Sperrung der Brücke werde übrigens kein Einzelfall bleiben. Minister Groschek kündigte weitere Vollsperrungen für andere Autobahnabschnitte an. "Inzwischen sind Vollsperrungen als Mittel der Baustellenbeschleunigung akzeptiert", sagte Groschek. Sie brächten einen schnelleren Baufortschritt als endlos dauernde Baustellen. Um Staus zu verhindern, müssten auch die Standstreifen vorübergehend als Fahrspuren freigegeben werden. Außerdem plant die Landesregierung Strafen für Firmen, die mit ihren Baumaßnahmen nicht rechtzeitig fertig würden.

Der Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft werde aber auf absehbare Zeit das Leben der Menschen in NRW beeinträchtigen. "Ich will keine falschen Erwartungen wecken: Wir werden ein Jahrzehnt der Baustellen erleben und erleiden", sagte Groschek. Seine verkehrspolitische Vision sei NRW als "logistisches Tor zur Welt". Er bezeichnete das Land als wichtigsten Logistik-Standort Europas. Dazu gehörten die Nachtflüge vom und zum Frachtflughafen Köln-Bonn und der Containerbahnhof Köln-Eifeltor und Duisport, der größte Binnenhafen der Welt.

Auch im Wohnungsbau will Groschek die gegenwärtige Lücke schnell schließen. "Wir gehen von einem Bedarf von rund 400.000 Wohnungen bis 2020 aus", sagte der Minister. Er wolle höher, schneller und weiter bauen. Groschek räumte ein, dass Wohnen immer noch zu teuer sei. Eine Novelle der Mietpreisbremse lehnte er aber ab.

Quelle: RP
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