| 07.20 Uhr

Düsseldorf
Jede Schule soll Fehlstunden angeben

Düsseldorf. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will öffentlich machen, wie viel Unterricht vor Ort ausfällt. Außerdem ist sie offen für Rankings der Schulen etwa nach Notenschnitt. Eltern applaudieren, Lehrer warnen. Von Kirsten Bialdiga und Frank Vollmer

Die neue schwarz-gelbe Landesregierung will den Schulen in Nordrhein-Westfalen mehr Offenheit verordnen. Unter anderem betrifft das einen seit Jahren besonders heiklen Punkt der Schulpolitik: den Unterrichtsausfall. "Wir waren immer für Transparenz, etwa was die Ausfallquoten angeht, und dazu stehe ich", sagte Gebauer im Gespräch mit unserer Redaktion auf die Frage, ob sie veröffentlichen wolle, wie viel Unterricht an den einzelnen Schulen ausfällt.

CDU und FDP haben im Koalitionsvertrag versprochen, den Ausfall "digital und schulscharf", also kontinuierlich für alle Schulen, erfassen zu lassen, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten. Derzeit werden nur Stichproben erhoben; über deren Ergebnis hat es immer wieder Streit gegeben, weil vor allem Eltern die vom Ministerium verbreiteten Zahlen für zu niedrig halten.

Gebauer zeigte sich auch aufgeschlossen gegenüber Schulrankings, also Listenvergleichen von Schulen, was die Ergebnisse von Vergleichsarbeiten und Abitur-Durchschnittsnoten angeht. "Ich bin für Rankings offen", sagte sie. "Dazu müssen allerdings auch die Voraussetzungen der Schulen vergleichbar sein."

Im schwarz-gelben Koalitionsvertrag ist unter der Überschrift "Gute Bedingungen für unsere Lehrkräfte" außerdem festgelegt, dass die Schulen Zielvereinbarungen und Qualitätsberichte online veröffentlichen sollen. Die Qualitätsberichte enthalten die Ergebnisse der sogenannten Qualitätsanalyse. Das ist ein zweistufiges Verfahren, in dem das Ministerium unter anderem Programm und Lehrpläne der Schule begutachtet; vorgesehen sind auch ein mehrtägiger Schulbesuch und ein Gespräch mit dem Schulträger, also meist der Kommune.

Vorbilder für die Veröffentlichung von Prüfungsergebnissen gibt es international zum Beispiel in Großbritannien, national in Sachsen. Die britischen weiterführenden Schulen müssen etwa die Ergebnisse der Abiturprüfungen und des mittleren Schulabschlusses veröffentlichen. Die sächsische Schuldatenbank verzeichnet online zum Beispiel für weiterführende Schulen die Quoten der verschiedenen erreichten Abschlüsse, den Anteil der Klassenwiederholer sowie der Schulformwechsler, die durchschnittliche Note der Abschlussprüfungen sowie den Anteil der Durchfaller.

Gebauers Ankündigung stößt auf ein geteiltes Echo. "Wir sind grundsätzlich offen für Rankings, aber nur wenn eine echte, faire Vergleichbarkeit gegeben ist", sagte Brigitte Balbach, Vorsitzende des Verbands Lehrer NRW, der vor allem die Realschulen vertritt. "Davon kann im Moment keine Rede sein", kritisierte Balbach: "Wenn es der Ministerin gelingt, vergleichbare Voraussetzungen zu schaffen, können Rankings ein sinnvolles Element sein, mit dem sich Schulen stärker profilieren können." Klare Ablehnung kommt dagegen vom Philologenverband, der Vertretung der Gymnasiallehrer. "Die Voraussetzungen werden ja niemals gleich sein", sagte der Landesvorsitzende Peter Silbernagel. "Deshalb sollte die Ministerin eine klarere Sprache reden: Rankings haben keinen Sinn." Schulen seien keine Unternehmen, die nach bestimmten Kennzahlen zu vergleichen seien: "Das ist kein Wettbewerb um Leistung, sondern um beste Vermarktungsstrategien."

Die Elternvertreter sehen Rankings positiv. "Unter der neuen Regierung gibt es keine Denkverbote. Das ist gut", sagte Regine Schwarzhoff, Vorsitzende des Elternvereins NRW. Qualitätsberichte ins Internet zu stellen, sei heikel: "Aber wenn es kein anderes Mittel gibt, Transparenz zu schaffen, ist auch das richtig." Auch die Landeselternschaft der Gymnasien unterstützt Gebauers Pläne. "Ausfallquoten sind ein Hinweis, wie eine Schule gemanagt wird", sagte der Vorsitzende Ulrich Czygan: "Wenn ich aussagekräftige Zahlen habe, sollte ich die auch veröffentlichen. Darauf haben die Eltern, die mit ihren Steuern das Bildungssystem finanzieren, ein Recht." Schulrankings nach Noten sieht Czygan nicht als Pranger, sondern als Entscheidungshilfe, "und zwar eine seriösere als die Mundpropaganda derzeit".

Quelle: RP
 
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