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Düsseldorf
"Jegliche Form der Ausbeutung ist im Islam verboten"

Düsseldorf. Der Soziologe Mouhanad Khorchide sprach in der Düsseldorfer Handwerkskammer über das islamische Wirtschaftssystem. Von Philipp Jacobs

Die fünf Säulen des Islam sind für Muslime die Grundpfeiler ihres Glaubens. Jede Säule betrifft wichtige Bereiche des Lebens. Auch das Wirtschaften wird beispielsweise mit der vierten Säule, der Armensteuer, angerissen. Demnach soll jeder erwachsene und gesunde Muslim jährlich etwa zweieinhalb Prozent seines Besitzes und Gewinns aus Handwerk, Industrie oder Handel beziehungsweise zehn Prozent des Gewinns aus Ernte und Viehbesitz als "Zakat" zahlen. Arme sind von dieser sozialen Pflichtabgabe befreit.

"Der Mensch hat den irdischen Auftrag, die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen, etwa sein Vermögen, in seinem eigenen Sinne, aber auch im Sinne seiner Mitmenschen zu verwalten", sagte der Islamwissenschaftler und Soziologe Mouhanad Khorchide am Donnerstagabend in Düsseldorf bei seinem Vortrag "Islamisches Finanz- und Wirtschaftssystem" in der Handwerkskammer. Göttliche Liebe und Barmherzigkeit stehe im Koran im Vordergrund wirtschaftlichen Handels, so Khorchide, der an der Universität Münster den Lehrstuhl für islamische Theologie innehat. Der Koran lobt an verschiedenen Stellen die Muslime, die bereit sind, ihren Besitz mit anderen zu teilen. So heißt es in Sure 92, Vers 6: "Wenn nun einer von dem, was er besitzt, anderen etwas abgibt, gottesfürchtig ist und an das Paradies glaubt, werden wir es ihm leicht machen, des Heils teilhaftig zu werden."

Doch nicht nur das Almosengeben ist eine islamische Wirtschafts-Maxime. So sind beispielsweise auch Leerverkäufe untersagt, weil jeder Transaktion ein realer Güteraustausch zugrunde liegen muss. Die bekannteste Vorgabe ist das Zinsverbot ("Riba"), aber auch Spekulation ("Gharar") oder Geschäfte im Zusammenhang mit Glücksspiel sind nicht erlaubt. Zudem gibt es ein Handelsverbot für schädliche Waren wie Drogen und ein Verbot aller Dienstleistungen, die der Würde des Menschen nicht gerecht sind, etwa die Prostitution oder der Menschenhandel. Insbesondere Letzteres rückt derzeit immer wieder in den Fokus - in Form von Menschenschmugglern, die meist selbst Muslime sind. "Gerechtigkeit steht im Islam aber hoch im Kurs. Jegliche Form der Ausbeutung ist verboten", sagt Khorchide. "Alles, was wir tun, tun wir nicht für Gott, sondern für uns und unsere Mitmenschen."

Quelle: RP
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