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Paris
Jesus vor Gericht

Paris. Krippen vor öffentlichen Gebäuden? Heute fällt in Frankreich die Entscheidung.

Die ersten Weihnachtsdekorationen hängen schon, die Adventskalender füllen die Regale der Supermärkte. Die vorzeitig ausgerufene Vorweihnachtszeit richtet den Blick auf Maria, Josef und Jesus. In Frankreich gilt das Interesse aber eher den Figuren aus Holz als der Geschichte, die dahinter steht. Darf im Rathaus eine Krippe stehen?, lautet die Frage, mit der sich der Staatsrat heute beschäftigt. Das oberste Verwaltungsgericht soll mit seinem Urteil eine Debatte beenden, die seit Jahren andauert. Die seit 1905 geltende Trennung von Kirche und Staat erlaubt keine religiösen Symbole in öffentlichen Gebäuden. Im Namen der Laizität wurde deshalb 2004 das Kopftuch an Schulen verboten. Sind nun Ochs und Esel dran?

Die Laizität müsse eine "befriedende Dimension" haben, mahnte die Berichterstatterin des Staatsrates, Aurelie Brétonneau. "Wir glauben nicht, dass das spannungsgeladene Umfeld der Laizität dazu führen muss, die Krippe grundsätzlich zu verurteilen", erklärte die Juristin, die in kniffligen Fragen eine Empfehlung an das oberste Gericht gibt.

Zu den Weihnachtskrippen in Rathäusern, die fast drei Viertel der Franzosen gutheißen, hatten im vergangenen Jahr zwei Verwaltungsgerichte unterschiedliche Urteile gefällt. In Nantes erlaubten die Richter die Darstellung der heiligen Familie, in Paris dagegen nicht. Brétonneau empfahl, beide Urteile aufzuheben und bei den Krippen jeweils von Fall zu Fall zu entscheiden. Wenn die Figuren nur vorübergehend aufgestellt würden und keine "religiöse Bekehrung" damit verbunden sei, dann sei dagegen nichts einzuwenden.

(lon)
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