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Porträt:: Jochen Riebel - als Landrat ein "Hardliner"

zuletzt aktualisiert: 08.09.2000 - 16:20

Wiesbaden (dpa). Mit dem 55-jährigen Jochen Riebel rückt erneut ein Vertrauter von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) an die Spitze der hessischen Staatskanzlei. Der Nachfolger des zurückgetretenen Franz Josef Jung (CDU) war zuletzt - beim Regierungswechsel in Wiesbaden - von Koch als Staatssekretär ins hessische Finanzministerium geholt worden.

Zuvor hatte sich der Rheinhesse Riebel als Landrat in Kochs Heimatkreis, dem Main-Taunus-Kreis (1990- 99), den Ruf eines "Hardliners" erworben.

Dieses Etikett gründet vor allem auf einer rigorosen Ausländerpolitik des damaligen Landrats. Die Riebel unterstehende Ausländerbehörde des Kreises geriet wegen harten Durchgreifens bei Abschiebungen mehrmals in die Kritik von Kirchen und Flüchtlingsorganisationen. Riebels innerparteilichem Ruf - er ist seit 1967 Mitglied der CDU - schadete dies allerdings nicht. Mit seinem Bekenntnis, den Sozialismus in allen seinen Formen bekämpfen zu wollen, konnte er im konservativen Main-Taunus-Kreis immer wieder Punkte sammeln.

Als Landrat war Riebel für seine Ausflüge in die überregionale Politik bekannt. Kritik an der früheren rot-grünen Landesregierung gehörte bei ihm zum Tagesgeschäft. Am Herzen lag ihm aber auch die künftige Struktur des Rhein-Main-Gebietes. Die später beschlossene Abschaffung der regionalen Planungsorganisation - Umlandverbandes Frankfurt - forderte er frühzeitig. Wenn es um die Durchsetzung seiner Vorstellungen ging, suchte Riebel auch grüne Politiker als Bündnispartner. So trat er gemeinsam mit dem früheren Frankfurter Stadtkämmerer Tom Koenigs dafür ein, die Strukturen des Sparkassenverbandes Hessen-Thüringen zu verändern, ein Vorhaben, das jedoch scheiterte.

Als Finanz-Staatssekretär unter Minister Karlheinz Weimar (CDU) war Riebel in Wiesbaden bald so präsent, dass mancher in ihm schon eine Graue Eminenz im Hintergrund sah. Diplomatisches Gespür und große Entscheidungsfreudigkeit werden ihm nachgesagt. Der Weg auf den Chefsessel der hessischen Staatskanzlei führte Riebel zunächst aber durch Rheinland-Pfalz. In Ober-Hilbersheim (heute Kreis Mainz-Bingen) geboren, wuchs Hans-Joachim Riebel in Mainz auf und absolvierte dort ein Jura-Studium.

Nach der Bundeswehr und Ausbildung zum Reserveoffizier (später Oberst der Reserve/Luftwaffe) trat er in die rheinland-pfälzische Landesverwaltung ein. Er wurde unter anderem stellvertretender Polizeipräsident von Mainz und Dezernent des Kreises Alzey-Worms. Ende der 70er Jahre kam er nach Hessen - als Bürgermeister in Roland Kochs Heimatstadt Eschborn bei Frankfurt (1979-83). Dort lernte er den heutigen Ministerpräsidenten kennen.

Die nächste Station - das Oberbürgermeisteramt in Frankenthal (1984-89) - lag schon wieder in Rheinland-Pfalz, wo mancher den ambitionierten Christdemokraten in einem Ministeramt oder auf dem Mainzer OB-Sessel erwartete. Doch dann weckte Koch wieder die Neugier des Tennisspielers und Reiters auf Hessen: Riebel wurde Main-Taunus- Landrat und zog nach Flörsheim. Nach dem Intermezzo im Finanzministerium rückt er nun wieder in unmittelbare Nähe des in der Schwarzgeld-Affäre angeschlagenen Regierungschefs.

Quelle: RPO Archiv

 
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