Fischer zeigt Verständnis: Jospin kritisiert "einseitige" Außenpolitik der USA
zuletzt aktualisiert: 08.02.2002 - 16:14Paris (rpo). Der französische Premierminister Lionel Jospin spricht Klartext. Als "einseitig" und "reduziert" hat der französische Premierminister Lionel Jospin die Außenpolitik der USA erneut kritisiert. Bundesaußenminister Joschka Fischer hat Verständnis für die wachsende Kritik Frankreichs geäußert.
Jospin forderte Washington auf, wieder den Weg der internationalen Zusammenarbeit einzuschlagen. "Man kann die Probleme der Welt nicht auf die einseitige Dimension der Terrorbekämpfung reduzieren", erklärte er am Freitag in einer Rede vor europäischen Parlamentariern in Paris.
Sich allein auf die militärische Vorherrschaft zu berufen, löse die Probleme nicht. Die französische Regierung geht damit weniger als drei Monate vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen deutlich auf Distanz zu den USA.
Erst in dieser Woche hatten Außenminister Hubert Védrine und Verteidigungsminister Alain Richard der US-Regierung eine zu vereinfachende Politik vorgeworfen. Védrine hatte vor allem die Nahost-Politik der USA kritisiert und erklärt, die Unterstützung der "Repressionspolitik" des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon sei ein Fehler.
Jospin forderte die USA auf, nicht der Versuchung zum einseitigen Handeln nachzugeben und auf einen multilateralen Weg zurückkehren. Kein Land könne sich einbilden, die Probleme allein zu lösen. "Unser Verständnis der Welt zielt darauf, eine internationale Gemeinschaft zu schaffen, die mehr im Gleichgewicht, sicherer und gerechter ist", sagte der Premier. Die gemeinschaftliche Aktion gegen den Terrorismus müsse zusammen mit den USA entschlossen fortgesetzt werden.
Fischer äußert Verständnis für Pariser Kritik
Bundesaußenminister Joschka Fischer hat Verständnis für die wachsende Kritik Frankreichs an der US- Außenpolitik geäußert. Gleichzeitig wies er am Freitag im spanischen Cáceres auf die überragende Rolle der USA für die europäische Sicherheit hin.
Fischers französischer Amtskollege Hubert Védrine hatte der US- Regierung eine zu stark vereinfachende Politik vorgeworfen. Fischer sagte dazu am Rande des informellen EU-Außenministertreffens: "Ich denke, Védrine hat auf eine Sorge hingewiesen, nämlich, dass sich hier eine Entwicklung auftut, die im Verhältnis zwischen Europa und USA zu unterschiedlichen Wegen führen könnte."
Man müsse sehen, "dass die Europäer keinen militärisch verengten Sicherheitsbegriff haben". Für die Europäer seien Fragen der geistigen Auseinandersetzung und der Überwindung der Konfliktursachen wichtig, sagte Fischer. Auch die Festigung von krisenerschütterten Staaten sei entscheidend. "Ich denke, hier gibt es sehr großen Diskussionsbedarf zwischen den USA und Europa."
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