Simon-Wiesenthal-Zentrum fordert Verbot: Juden aus aller Welt protestieren gegen NPD-Aufmarsch
zuletzt aktualisiert: 29.11.2001 - 15:06Berlin (rpo). Der geplante NPD-Aufmarsch in Berlin sorgt für Entsetzen bei Juden aus aller Welt.Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles mit weltweit Hunderttausenden Mitgliedern forderte am Donnerstag das Verbot der Demonstration.
"Das Wiesenthal-Zentrum ist schockiert über die unvernünftige Entscheidung, Neonazis einen Marsch durch das historische jüdische Viertel von Berlin zu erlauben", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief des internationalen Dokumentationszentrums an die Bundesregierung und den Berliner Senat. Es sei unfassbar, dass die 12 000 Juden in Berlin am jüdischen Ruhe- und Feirtag Sabbat vor ihren Gotteshäusern mit aufmarschierenden Nazis konfrontiert würden.
Die Rechtsextremen wollen dort gegen die Wehrmachtsausstellung protestieren, deren überarbeitete Neufassung Anfang der Woche im historischen jüdischen Viertel wiedereröffnet wurde. Die NPD rechnet mit bis zu 4000 Demonstrationsteilnehmern - damit könnte der Zug der größte Aufmarsch von Rechtsextremen seit Kriegsende in Berlin werden.
In der Bundeshauptstadt kündigten Rabbiner und alle Vorstandsmitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Berlin an, sich den Rechtsextremisten in den Weg zu stellen. Die Sprecherin Anetta Kahane bezeichnete es als "besonderen Zynismus", dass der Marsch durch die frühere Heimat von 175 000 Bürgern jüdischer Herkunft und jüdischen Glaubens führen soll.
Die Protestaktion soll im Anschluss an das Vormittagsgebet vor den jüdischen Einrichtungen beginnen, unter anderem vor der Neuen Synagoge in Berlin-Mitte. Man werde auch auf die Gefahr hin demonstrieren, "dass die Polizei Juden von der Straße räumt, um Neonazis den Weg freizumachen".
Gewerkschaften, Politiker, Bürgerinitiativen sowie kirchliche und jüdische Einrichtungen vom Berliner Bündnis "Europa ohne Rassismus" erneuerten am Donnerstag ihren Aufruf an die Bevölkerung, möglichst zahlreich zu der Wehrmachtausstellung zu kommen. Mit großem Besucherandrang soll die Polizei gezwungen werden, den Zug der Rechten umzuleiten. Zu den etwa 70 Erstunterzeichnern gehört auch die Schauspielerin Iris Berben. Die Menschen sollten sich ihrer Verantwortung als Bürger bewusst werden, "da der Staat scheinbar keine Rechtsgrundlage hat, um die Demonstration zu verhindern", sagte Berben im Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg.
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