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Trauerprozession in Hebron: Jüdische Siedler beerdigen Baby

zuletzt aktualisiert: 01.04.2001 - 15:11

Hebron (rpo). Rund 3.000 Juden versammelten sich am Sonntag in Hebron, um dem am Montag vergangener Woche getöteten zehn Monate alten Baby die letzte Ehre zu erweisen. Das bisher jüngste Opfer der Unruhen zwischen Israelis und Palästinensern wurde im Westjordanland beigesetzt worden.

Unterdessen nahmen israelische Sicherheitskräfte nach palästinensischen Angaben sechs Mitglieder der Elitepolizei des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat, der "Truppe 17", fest.

Die Trauerprozession in Hebron führte vom Grab der Patriarchen, einem sowohl jüdischen als auch moslemischen Heiligtum, an der Stelle vorbei, an der das Baby von einem palästinensischen Heckenschützen erschossen und sein Vater verletzt worden war. Wie der israelische Rundfunk berichtete, warfen israelische Jugendliche Steine auf palästinensische Häuser. Israel hatte eine Ausgehsperre für Palästinenser in Hebron verhängt, um Ausschreitungen zu verhindern.

Ein jüdischer Siedler trug die Leiche von Schalhewet Pass, die in eine blaue Decke mit einem goldenen Davidstern eingewickelt war. Zahlreiche israelische Soldaten begleiteten den Trauerzug. Rabbiner Dov Lior rief die israelische Regierung auf, den Tod des Mädchens zu rächen. "Wir werden nicht vergessen, und wir werden nicht vergeben", sagte die Tante des Kindes, Ilana Zarbid.

Ebenfalls am Sonntag wurden sieben Palästinenser beigesetzt, die bei Gefechten mit israelischen Truppen ums Leben gekommen waren. Im Krankenhaus von Ramallah starb ein elfjähriger Junge, der vor mehr als zwei Wochen bei den Unruhen schwer verletzt worden war.

Führende Palästinenser verstärkten die Vorkehrungen für ihren Schutz, wie aus palästinensischen Kreisen verlautete. Der Führer von Arafats Fatah-Bewegung, Marwan Barghuti, und der Kommandeur der "Truppe 17", Machmud Damara, hätten zusätzliche Leibwächter eingestellt und schliefen nicht mehr zu Hause, hieß es.

Ein israelischer Regierungsvertreter bestätigte die Verhaftung von sechs Palästinensern. Allerdings seien nur fünf von ihnen Angehörige der "Truppe 17". Von palästinensischer Seite hieß es, die Festnahmen seien am Ortseingang von Dschilidschije, nördlich von Ramallah, erfolgt. Der israelische Verkehrsminister Ephraim Sneh bekräftigte, Israel werde weiterhin gegen palästinensische Aktivisten vorgehen. Der stellvertretende Minister für innere Sicherheit, Gideon Esra, erklärte, die Hauptziele seien "Amtsträger von mittlerem Rang", die Material für Anschläge zur Verfügung stellen.

Seit Beginn der so genannten zweiten Intifada Ende September vergangenen Jahres sind den gewaltsamen Auseinandersetzungen mehr als 450 Menschen zum Opfer gefallen, unter ihnen mehr als 370 Palästinenser.

Der ägyptische Außenminister Amr Mussa hatte Israel am Freitag für die Eskalation verantwortlich gemacht und vor einer weiteren Verschlimmerung der Lage gewarnt. Mussa sagte nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Colin Powell in Washington, vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gebe es kein Zeichen des Entgegenkommens. Nun sei die Vermittlerrolle der USA gefragt.

Quelle: RPO Archiv

 
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