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Paris
Jungstar auf dem Weg in den Elysée

Steckbrief: Das ist Emmanuel Macron
Steckbrief: Das ist Emmanuel Macron FOTO: dpa, TH
Paris. Sein rasanter Aufstieg hat die Pariser Politikszene aufgemischt. Nun geht Emmanuel Macron offiziell ins Rennen um die französische Präsidentschaft. Von Christine Longin

Der Ort der Ankündigung war sorgfältig gewählt: Eine Ausbildungsstätte für arbeitslose Jugendliche in der Pariser Problem-Vorstadt Bobigny. In einer Werkhalle voller Autos erklärte der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gestern seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl. "Ich bin Kandidat für die Präsidentschaft, weil ich glaube, dass Frankreich Erfolg haben kann", sagte der 38-Jährige den schon lange erwarteten Satz. Seit der Gründung seiner Bewegung "En Marche" ("in Betrieb") im April war über die Ambitionen des einstigen Investmentbankers spekuliert worden. Nachdem er dann Ende August als Wirtschaftsminister zurückgetreten war, war seine Kandidatur nur noch eine Frage der Zeit.

Der für seine unverblümte Sprache bekannte studierte Philosoph geht als unabhängiger Bewerber ins Rennen. "Mein Ziel ist es nicht, die Rechte oder die Linke zu einen, sondern die Franzosen", sagte der Parteilose, der seit 2009 kein Mitglied der Sozialisten mehr ist. Dass er sich den Vorwahlen des Parti Socialiste im Januar nicht unterziehen will, hatte Macron früh klargemacht. Er will ein Duell mit seinem politischen Ziehvater François Hollande vermeiden, der im Dezember über eine Kandidatur entscheiden will. Der extrem unbeliebte Präsident hatte den smarten Macron nach seiner Wahl 2012 als Wirtschaftsberater zu sich geholt und ihn dann zum Wirtschaftsminister gemacht.

Doch der unternehmerfreundliche Jungstar war unzufrieden mit den Maßnahmen, die der Präsident ergriff. "François Hollande hat die Dinge nur zur Hälfte gemacht", kritisierte Macron nach seinem Rücktritt in der Zeitung "Le Monde". Seine 20-minütige Rede stellte Macron, der noch nie für ein politisches Amt kandidierte, unter das Motto der Erneuerung. "Frankreich ist blockiert", analysierte der beliebte Quereinsteiger. "Die Präsidentschaftswahl bietet die Gelegenheit, den bestehenden Zustand abzulehnen und voranzukommen."

Macron gilt im Land am ehesten als Liberaler, der den Einfluss des Staates zurückdrängen will. Angst vor Glamour hat er nicht - im Sommer posierte er mit seiner 20 Jahre älteren Frau Brigitte Trogneux in Badehose und Polohemd am Strand des schicken Atlantikbadeortes Biarritz. Mit 38 Jahren ist er - über die Familie seiner Frau - bereits Großvater. Brigitte Trogneux kennt er schon länger. Sie war seine Französischlehrerin. Sein Ruf als "Mozart der Finanzen" dürfte auch auf seinem Piano-Talent und der Vorliebe für Opern gründen.

Schon die Kandidatur-Ankündigung Macrons, dessen Popularität bei rund 50 Prozent liegt, wirbelte den Politikbetrieb durcheinander. Vier Tage vor der ersten Runde der Vorwahlen, in denen die konservative Opposition ihren Präsidentschaftskandidaten bestimmt, dürfte Macron vor allem dem Favoriten Alain Juppé schaden. Der frühere Regierungschef, der ein ähnliches Programm wie Macron vertritt, griff den mehr als 30 Jahre Jüngeren deshalb scharf an: "Macron steht für den Verrat an François Hollande. Er hat ihm das Messer in den Rücken gestoßen."

Hollande rief die Linke von Marrakesch aus, wo er am Klimagipfel teilnahm, zum Zusammenhalt auf. Laut Umfragen dürfte es keiner der Bewerber des linken Lagers nächstes Jahr in die Stichwahl schaffen. Mit einer unabhängigen Kandidatur Macrons sinken die ohnehin schwachen Chancen weiter. Der Staatssekretär für Außenhandel, Matthias Fekl, warf dem einstigen Kabinettskollegen deshalb vor, Kandidat derer zu sein, "die die Linke zur Explosion bringen wollen".

Doch Macrons Ziel ist eher die Rechtspopulistin Marine Le Pen, die parallel zu seiner Rede ihr Wahlkampfhauptquartier einweihte - ein Ereignis, das dadurch wenig beachtet wurde. Der einstige Wirtschaftsminister hatte Anfang November deutlich gegen Le Pens Front National Stellung bezogen, eine Partei, "die die Republik beschmutzt". Aus zynischem Kalkül heraus hätten sich viele Politiker damit arrangiert, dass Umfragen Le Pen 2017 in der Stichwahl sehen: "Keiner, der die Werte der Republik vertritt, kann sich an die Präsenz eines Kandidaten der extremen Rechten in der zweiten Runde gewöhnen."

Quelle: RP
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