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Paris
Juppés Etappensieg gegen Sarkozy

Paris. Der frühere Regierungschef Alain Juppé hat die erste Fernsehdebatte der Konservativen für sich entschieden. Rivale Nicolas Sarkozy wirkte angespannt. Von Christine Longin

Ob es ein Wink des Schicksals war, dass Alain Juppé bei der Fernsehdebatte der Kandidaten für die Vorwahlen der Konservativen das Schlusswort zugelost bekam? Auf alle Fälle tat es gut, den abgeklärten Ex-Premierminister nach zweieinhalb Stunden mit einer zuversichtlichen Note zu hören: "Wenn wir die notwendigen Veränderungen vornehmen, wird Frankreich wieder ein Land, wo man gut leben kann", so der 71-Jährige: "Ich will euch auf den Weg der Hoffnung führen."

Genau die brauchen die Franzosen nach vier Jahren François Hollande, der es nicht geschafft hat, wie angekündigt die Zahl der Arbeitslosen zu senken. Stattdessen versuchte sich der sozialistische Präsident zuletzt darin, seine eigene Amtszeit auf peinliche Art und Weise zu rechtfertigen. Seine deplatzierten Bekenntnisse, die er zwei Journalisten in einem Buch anvertraute, ließen sogar seine Anhänger von ihm abrücken.

Damit hat Hollande wohl alle Chancen der Sozialisten verspielt, nächstes Jahr in die Stichwahl zu kommen. Umso mehr sind damit die Vorwahlen der Republikaner im November zu einer Vorentscheidung über das Präsidentenamt geworden, das der konservative Kandidat und die Rechtspopulistin Marine Le Pen unter sich ausmachen dürften - mit besten Aussichten für den Konservativen. "Ich bin bereit", sagte Juppé in seinem Schlusswort. Souverän spulte der Bürgermeister von Bordeaux vor rund fünf Millionen Fernsehzuschauern sein Programm ab und verzichtete auf Seitenhiebe gegen seinen Rivalen Nicolas Sarkozy.

Dem als "Rampensau" bekannten Ex-Präsidenten war von Anfang an anzusehen, dass ihm das reglementierte Format der Fernsehdebatte nach amerikanischem Vorbild nicht gefiel. Der 61-Jährige wirkte in dem blau-weiß-rot dekorierten Fernsehstudio zwischen den sechs anderen Kandidaten angespannt und zeigte nur beim Thema innere Sicherheit seinen gewohnten Biss. In Umfragen nach der Sendung lag er dann auch mit 22 Prozent hinter dem ohnehin seit Monaten führenden Juppé, dem 36 Prozent der Zuschauer den besten Auftritt bescheinigten.

Die erste von drei Debatten, die ohne große Attacken ablief, änderte allerdings die Wahlabsichten der Zuschauer nicht. Das dürfte vor allem Sarkozy enttäuschen, dessen Abstand zum führenden Juppé sich in den vergangenen Wochen vergrößert hatte. Der Favorit umwirbt auch die von Hollande enttäuschten Sozialisten, die zu den Vorwahlen gehen könnten, um Sarkozy zu verhindern. Die erstmals abgehaltenen "Primaires" im November sind für Wähler der Rechten und des Zentrums offen, die sich lediglich zu deren Werten bekennen müssen, ohne ein Parteibuch zu haben.

"Ich stehe für eine Vision der französischen Gesellschaft, die die Verschiedenartigkeit respektiert", warb Juppé für sein Konzept eines harmonischen Zusammenlebens auch mit den französischen Muslimen. Sarkozy versuchte wie erwartet, mit stramm rechten Sprüchen bei den Wählern des Front National zu punkten: "Die Frage ist nicht, ob es ein neues Attentat geben wird, sondern wann." Deshalb forderte der einstige Innenminister erneut eine vorbeugende Internierung aller Terrorverdächtigen, die in ihrer Akte einen Sicherheitsvermerk S tragen, ohne vorherigen Richterbeschluss.

Aggressiv wurde der Ex-Präsident, als es um die zahlreichen Affären ging, in die er verwickelt ist - ein Ermittlungsverfahren läuft wegen illegaler Finanzierung seines Wahlkampfes 2012. "Ich wurde in 37 Jahren politischer Karriere nie angeklagt", entgegnete er jenen, die in dem Verfahren ein Hindernis für eine Kandidatur sehen. Juppé, der 2004 wegen illegaler Finanzierung seiner Partei verurteilt worden ist, reagierte gelassen: "Die Franzosen entscheiden per Stimmzettel. Wenn sie der Meinung sind, dass mein Fehler mich disqualifiziert, dann werden sie mich nicht wählen."

Quelle: RP
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