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Israel bombt im Südlibanon weiter: Kabinett will massives Vorgehen bald bremsen

zuletzt aktualisiert: 10.02.2000

Beirut (AP). Mit Luftangriffen und Artilleriefeuer hat Israel am Donnerstag den Beschuss mutmaßlicher Hisbollah-Stellungen in Südlibanon fortgesetzt. Die Kampfjets feuerten innerhalb einer Stunde 14 Luft-Boden-Raketen auf mehrere Ziele in Jabal el Daher und im 20 Kilometer nördlich der israelischen Grenze gelegenen Sillaja-Tal ab, wie aus Sicherheitskreisen in Beirut verlautete. Mitglieder des Kabinetts in Jerusalem deuteten am Mittwoch an, dass das in den vergangenen Tagen massive Vorgehen abgeschwächt werde.

Bei den Angriffen am Donnerstag wurde ein Hisbollah-Kämpfer verletzt, wie es hieß. Die libanesische Armee und die schiitische Guerillagruppe beschossen die israelischen Kampfjets, verfehlten sie aber, wie ein Sicherheitsbeamter in Beirut sagte. Vor den Angriffen auf vermutete Verstecke und Raketenstellungen der Hisbollah hätten die Guerillakämpfer Posten der israelischen Streitkräfte und der mit ihnen verbündeten SLA-Miliz beschossen. Es seien drei Posten nahe des Sillaja-Tals angegriffen worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Im Gegensatz zu den zuletzt heftigen Angriffen in weiten Teilen Libanons konzentrierte sich der Beschuss auf Ziele an den Frontlinien im Süden des Landes.

An der Grenze zu Libanon machte sich unterdessen angesichts der im Vergleich zu den Vortagen weniger massiven Bombardements langsam wieder Normalität breit. In der Stadt Kirjat Schmone verließen viele Menschen die Schutzräume, in denen sie aus Angst vor den Hisbollah-Raketen in den vergangenen Tagen ausgeharrt hatte. Geschäfte waren am Donnerstag erstmals wieder geöffnet, und viele Israelis gingen wieder zur Arbeit. Kinder in Schlafanzügen spielten auf den Straßen der Grenzstadt, nachdem sie fast drei Tage in Bunkern Schutz gesucht hatten. "Wir wollen doch nur, dass es hier ruhig ist. Aber ich glaube nicht, dass wir das letzte Mal in den Schutzräumen waren", sagte Daniel Dadon in Kirjat Schmone.

Israel hatte Libanon am Mittwoch für den Fall neuer Angriffe der Hisbollah auf Nordisrael mit schwerer Zerstörung gedroht. "Wenn Katjuschas auf unsere Siedlungen fallen, wird der Boden Libanons brennen", sagte Außenminister David Levi. Diese Drohung bezeichnete der libanesische Ministerpräsident Selim Hoss als Teil des israelischen Terrorismus gegen Libanon. Das Sprachrohr der in Damaskus regierenden Baath-Partei, "El Baath", schrieb am Donnerstag, die Aussage Levis erinnere an den Nationalsozialismus. Israel werde seine Politik, die auf Aggression und Terrorismus beruhe, nie ändern.

Vor zwölf Tagen hatte Israel die jüngste Angriffserie gegen Ziele in Libanon begonnen und dabei unter anderem drei Kraftwerke zerstört. Mit den Bombardements reagierte das Land auf den Tod von fünf israelischen Soldaten in Südlibanon, die seit dem 25. Januar bei Hisbollah-Angriffen ums Leben kamen. Die Hisbollah will die israelischen Truppen aus dem von Jerusalem als Sicherheitszone beanspruchten Südlibanon zusammen mit kleineren Guerillagruppen vertreiben.

Quelle: RPO Archiv

 
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