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Arafat spricht mit Powell: Kämpfe im Gazastreifen eskalieren

zuletzt aktualisiert: 09.04.2001 - 16:25

Beit Lahija (rpo). Trotz der vielen Gespräche: Die Hoffnung, die Gewaltspirale aus Schlag und Gegenschlag im Nahen Osten zu stoppen, sinkt täglich. Am Sonntagabend goss die israelische Armee Öl ins Feuer, indem sie mehrere palästinensische Ziele im Gazastreifen beschoss.

Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit hat neuen Gesprächen mit den Palästinensern eine Absagte erteilt. Usi Landau bezeichnete die palästinensischen Polizisten als Terroristen, denen Israel niemals Waffen hätte geben dürfen. Vorangegangene Abkommen mit den Palästinensern verglich Landau mit der versuchten Besänftigung Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Kämpfe zwischen beiden Seiten verschärften sich unterdessen: Israel setzte erstmals Boden-Boden-Raketen gegen die Palästinenser ein.

Landau sagte vor Journalisten, der palästinensische Präsident Jassir Arafat sei ein Partner des irakischen Staatschef Saddam Hussein, und nicht ein Partner demokratischer Staaten. Ein israelischer Gewährsmann erklärte, Israel sei zur Wiederaufnahme des gemeinsamen Sicherheitskomitees bereit. Das Gremium koordiniert die Aktivitäten zur Eindämmung der Gewalt. Es trat am vergangenen Mittwoch zum ersten Mal seit Wochen wieder zusammen. Nach dem Treffen beschossen israelische Soldaten einen Konvoi palästinensischer Kommandeure.

Die israelische Regierung bedauerte den Vorfall am Montag und erklärte, er sei auf eine mangelnde Koordinierung zurückzuführen. Die Palästinenser hätten jedoch zuerst geschossen. Der palästinensische Sicherheitschef in Gaza, Abdel Rasek el Madschaida, sagte, es gebe keine Vereinbarung über Treffen des Sicherheitskomitees. US-Außenminister Colin Powell telefoniert am Sonntag mit Arafat, wie dessen Sprecher Nabil Aburdeneh erklärte. Ein weiteres Treffen des Sicherheitskomitees sei jedoch nicht Gegenstand des Gesprächs gewesen.

Bei einem Artillerieangriff der israelischen Streitkräfte wurden in der Nacht zum Montag im nördlichen Gazastreifen vier Menschen verletzt, unter ihnen nach Krankenhausangaben ein zehnjähriger Junge. Die Palästinenser erklärten, Israel habe erstmals Boden-Boden-Raketen eingesetzt und nicht wie sonst mit Hubschraubern angegriffen. Die Raketen trafen in der Kleinstadt Beit Lahija nördlich der Stadt Gaza eine Polizeistation, ein Gebäude der Fatah-Bewegung von Arafat und ein Wohnhaus, wie die palästinensische Seite erklärte. In der Stadt brach die Stromversorgung zusammen. "Was hat dieses Kind den Israelis getan?" sagte der Vater des verletzten Jungen, als er Reportern die blutige Bettwäsche seines Sohns zeigte.

Israelische Armee spricht von Vergeltung

Ein Armeesprecher sprach von einem Vergeltungsangriff. Palästinenser hatten zuvor die jüdische Siedlung Nahal Os im Gazastreifen mit Granaten angegriffen. Es wurde niemand verletzt. Die Kämpfe im Gazastreifen haben sich zuletzt jede Nacht verstärkt. Ein israelischer Militärsprecher wollte den Einsatz der Boden-Boden-Raketen nicht bestätigen. Ein Behördenvertreter erklärte jedoch, der Angriff sei nicht von Hubschraubern ausgeführt worden.

Im Westjordanland wurde am Montag ein Palästinenser erschossen aufgefunden. Augenzeugen berichteten, der Mann sei in die Schusslinie geraten, als sich israelische Sicherheitskräfte Feuergefechte mit Palästinensern lieferten. Ein bekannter Israeli arabischer Abstammung wurde von der palästinensischen Polizei als mutmaßlicher Kollaborateur festgehalten, wie dessen Familie erklärte. Der 63-jährige Jusuf Samir verschwand am Donnerstag während eines Besuchs in Bethlehem. Der Journalist floh 1968 nach einem Streit mit den Behörden dort aus Ägypten nach Israel.

Quelle: RPO Archiv

 
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