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Persönlich
Kai Gniffke . . . gab Assad ein breites Forum

Wohl kaum ein Bürger in Deutschland kennt Kai Gniffke, tatsächlich ist der 55-jährige Politikwissenschaftler einer der mächtigsten Journalisten des Landes. Ihm untersteht mit ARD Aktuell das ganze Nachrichtengeschäft des ersten Fernsehprogramms inklusive "Tagesschau" und "Tagesthemen", und mit einem sehr speziellen Interview hat der promovierte Politikwissenschaftler nun viel Kritik auf sich gezogen: 30 Minuten lang strahlte die ARD am Dienstagabend ab 20.15 Uhr ein Gespräch mit Syriens Staatspräsident Baschar al Assad aus - viele Zuschauer waren entsetzt: Man solle als Nächstes auch noch die Terroristen des IS zum Interview bitten, höhnt einer. Ein anderer meint, die ARD könne nun Vorbild auch für die Politik sein: Man müsse eben nur mit jedem Diktator und Massenmörder der Welt sprechen, dann werde sich auch der Frieden durchsetzen. Von Reinhard Kowalewsky

Der Streit bestätigt, wie schwierig Journalismus in der heutigen Zeit ist. Gniffke rechtfertigte sich für das ungekürzt ausgestrahlte Interview mit einem langen Artikel auf der Homepage der "Tagesschau". Man wolle dazu beitragen, "dass sich die Zuschauer und Nutzer ein eigenes Urteil über den Syrien-Konflikt bilden können". Tatsächlich hatte der entsandte ARD-Reporter Assad anfangs relativ unkritisch befragt, ging aber später im Gespräch doch auf die schweren Angriffe gegen die Zivilbevölkerung und den zunehmenden Einfluss der Russen in Syrien ein - Assad ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

Gniffke ist Kritik gewohnt - und akzeptiert sie. Als Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte, die ARD und andere Medien würden zu unkritisch über die Folgen der Flüchtlingswelle berichten, meinte er: "Ich halte es für gut und wichtig, dass es einen namhaften Politiker und Demokraten gibt, der im politischen Meinungsstreit denjenigen eine Stimme verleiht, die skeptisch sind, ob unser Land das hinbekommt."

Quelle: RP
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