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Berlin
Wer alles nicht Bundespräsident geworden ist

Die Staatsbesuche von Joachim Gauck
Die Staatsbesuche von Joachim Gauck FOTO: dpa, wk fpt
Berlin. In der Bundesversammlung gibt es öfters zweite Chancen. Ein Kandidat, der durchfällt, ist noch nicht unbedingt verschlissen. Von Frank Vollmer

Von der Bundesversammlung nicht gewählt zu werden, bedeutet zunächst gar nichts, könnte man salopp behaupten - die Wahrscheinlichkeit ist nicht so klein, dass es eine zweite Chance gibt. Drei der elf Bundespräsidenten waren zuvor einmal als Kandidaten gescheitert: Richard von Weizsäcker 1974 gegen Walter Scheel, Johannes Rau 1994 gegen Roman Herzog und Joachim Gauck 2010 gegen Christian Wulff.

Wer also durchfällt, ist damit noch nicht unbedingt verschlissen. Die meisten ernsthaft infrage kommenden Kandidaten sind schließlich Persönlichkeiten, denen man das Amt ohne größeres Zögern zutrauen würde. Der SPD-Kandidat und Staatsrechtler Carlo Schmid etwa, einer der Väter des Grundgesetzes, der 1959 Heinrich Lübke unterlag, hätte vermutlich einen guten Job gemacht, ebenso wie Ex-Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (SPD), die 1979 gegen Carl Carstens verlor. Die Politologin Gesine Schwan schließlich wurde als Einzige zweimal Zweite: 2004 und 2009 jeweils gegen Horst Köhler.

Eine echte Richtungsentscheidung war die Wahl vermutlich nur einmal, nämlich im März 1969, als Justizminister Gustav Heinemann für die SPD mit nur sechs Stimmen Vorsprung gegen Verteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU) gewann. Heinemann selbst sprach danach von einem "Stück Machtwechsel" - und behielt recht: Die Bundestagswahl Ende September brachte die sozialliberale Regierung hervor; erstmals wurde in Willy Brandt ein Sozialdemokrat Kanzler.

Die Grünen haben zweimal eigene Kandidaten aufgestellt: 1984 die Schriftstellerin Luise Rinser, 1994 den DDR-Bürgerrechtler Jens Reich. Beide waren ebenso chancenlos wie die Kandidaten der PDS beziehungsweise der Linkspartei, die schrille Theologin Uta Ranke-Heinemann (Gustav Heinemanns Tochter, die 1994 unter anderem gegen ihren angeheirateten Neffen Johannes Rau antrat), "Tatort"-Kommissar Peter Sodann 2009, die Journalistin Luc Jochimsen 2010 und die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld 2012. 2009, 2010 und 2012 trat auch die NPD mit einem Kandidaten an.

Seit 1959 gelten nur noch Stimmen für einen der "zugelassenen Wahlvorschläge" als gültig. 1954 gab es noch je eine Stimme für Louis Ferdinand Prinz von Preußen und Ernst-August von Hannover, aber auch eine für das letzte NS-Staatsoberhaupt Karl Dönitz (der zu dieser Zeit als Kriegsverbrecher in Haft saß). Das Protokoll vermerkt Heiterkeit bei der Verlesung der Namen der beiden adeligen Herren, aber "Pfui"-Rufe für Dönitz.

Quelle: RP
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