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Marburger Bund:: Kein "Sterbetourismus" in die Niederlande

zuletzt aktualisiert: 11.04.2001 - 12:21

Köln (rpo). Ein "Sterbetourismus" in die Niederlande ist nach Ansicht des Krankenhausärzte-Verbands Marburger Bund (MB) nicht zu erwarten. Die niederländischen Ärzte müssten schließlich nach dem Gesetz sterbewillige Patienten und deren Krankheitsverlauf längere Zeit kennen, erklärte der zweite Vorsitzende des MB, Rudolf Henke.

Im übrigen müssten sterbewillige Patienten nach dem Gesetz unerträgliche Schmerzen und eine unheilbare Krankheit haben. Solche Patienten seien in der Regel gar nicht in der körperlichen Verfassung, eine Reise in die Niederlande zu unternehmen.

Henke - Internist und Oberarzt einer onkologischen Krankenhaus- Station (Krebsstation) in Eschweiler - meinte, das deutsche Gesundheitswesen sei hinsichtlich der Palliativmedizin (Schmerzlinderung) und der Hospizbewegung ein Stück weiter als die Niederlande. Aber auch in Deutschland sei die Situation noch nicht befriedigend. Noch seien manche Ärzte zu zurückhaltend beim Einsatz von Morphium. Henke sieht keine Anzeichen dafür, dass sich die ablehnende Haltung der deutschen Ärzte zur Sterbehilfe ändern könnte.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, meinte, ärztliche Aufgabe sei nicht etwa die so genannte aktive Sterbehilfe, sondern der rückhaltlose Schutz chronisch kranker und pflegebedürftiger Patienten sowie die adäquate menschliche und medizinische Begleitung Sterbender. Die Entscheidung des niederländischen Parlaments, das Tötungsverbot in bestimmten Fällen aufzuheben und ärztlich gestützte Euthanasie zuzulassen, rühre an die Grundfesten einer humanen Gesellschaft.

Die Folgen seien noch gar nicht abzusehen, meinte Hoppe. Es sei aber zu befürchten, dass auch in anderen europäischen Ländern diejenigen Auftrieb bekommen werden, die einer Legalisierung der Euthanasie das Wort redeten. Deshalb sei Aufklärung über die tatsächlichen Konsequenzen so wichtig. "In den Niederlanden werden ausweglos kranke und auch lebensmüde Menschen gezielt getötet, wenn die rechtlichen Voraussetzungen für eine solche Tötung auf Verlangen gegeben sind", sagte Hoppe der dpa. "Die modernen Methoden der Palliativmedizin spielen in Holland offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Ich bin mir aber sicher, dass die große Mehrheit der Bevölkerung Euthanasie im Sinne von ‚Einschläfern‚ ablehnt, wenn sie über die Möglichkeiten der Sterbebegleitung und einer gekonnten Palliativmedizin ausreichend informiert ist."

Quelle: RPO Archiv

 
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