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Scharping beharrt dennoch auf Moratorium: Keine Hinweise auf Strahlenschäden durch Uranmunition

zuletzt aktualisiert: 10.01.2001 - 16:23

Berlin (AP). Für Gesundheitsschäden infolge radioaktiver Strahlung oder Schwermetallvergiftungen durch uranhaltige Munition gibt es nach Angaben von Verteidigidungsminister Rudolf Scharping keine Hinweise. Der SPD-Politiker sagte nach einer Beratungsrunde mit Wissenschaftlern und hohen Offizieren am Mittwoch in Berlin, er bleibe trotz des Befundes bei seiner Forderung nach einem Moratorium für die umstrittene Munition.

Die Bundeswehr habe im Kosovokrieg die mit hoher Durchschlagskraft ausgestattete Munion mit einem Kern aus abgereichertem Uran nie verwendet, meinte Scharping. Dennoch sei Deutschland das einzige Nato-Land, das seine Soldaten seit dem ersten Einsatz im Kosovo ständig überwacht habe, da die Munition von den US-Streitkräften verwendet worden sei. Vergleichende Untersuchungen durch unabhängige Wissenschaftler an Soldaten, die im Kosovo eingesetzt waren und solchen, die nie im Kosovo waren, hätten keinerlei Unterschiede in den gemessenen Werten ergeben.

Die Schwermetallgiftigkeit von Uran ist den Angaben zufolge mit der von Blei vergleichbar, hieß es von Seiten der Experten. Die Strahlungsintensität von abgereichertem Uran überschreite die natürliche radioaktive Strahlung nicht. Scharping sagte, der militärische Zweck panzerbrechender Munition sei auch mit anderen Mitteln als Uran ereichbar. Er verwies auf das wesentliche teurere Metall Wolfram.

Scharping zitierte auch eine offizielle Auskunft der US-Streitkräfte, wonach die umstrittene Munition in Deutschland Munition nicht eingesetzt werde. Allerdings sei bei zwei Zwischenfällen - 1985 in Altenwalde und 1986 in Grafenwöhr - jeweils einmal ein Urangeschoss gegen bestehende Weisungen verfeuert worden. Das Erdreich in den betroffenen Schießanlagen sei danach ausgetauscht worden. Zu Zeiten der Ost-West-Konfrontation in den 80er Jahren gehörte die Ausrüstung mit dieser Munition nach Angaben von Bundeswehroffizieren zur Gefechtsbewaffnung auch bei der Bundeswehr. Dies sei aber abgestellt worden.

Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar glaubt nach eigenen Worten nicht an einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz uranhaltiger Munition auf dem Balkan und Krebserkrankungen spanischer Soldaten. Medizinische Untersuchungen und Berichte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigten, "dass keine Ursache-Wirkungs-Beziehung gibt zwischen dem Einsatz bestimmter Munition und eine Serie von Erkrankungen besteht", sagte Aznar am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender Antena 3. Spanien hat im Zusammenhang mit dem so genannten Balkan-Syndrom mit der Untersuchung von 32.000 Soldaten begonnen, die in den vergangenen Jahren in der Region stationiert waren. Spanische Medien hatten am Wochenende über zwei Todesfälle und sieben Krebserkrankungen nach Balkan-Einsätzen berichtet.

Quelle: RPO Archiv

 
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