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Kernkraftwerke als Anschlagsziel
Haben Terroristen Atommeiler im Visier?

Kernkraftwerke als Ziel für Anschläge? Wie groß ist das Terror-Risiko in NRW?
Atommeiler Tihange in Belgien: Gefahr "plötzlich sehr real" FOTO: dpa, obe nic fdt
Düsseldorf/Brüssel. 70 Kilometer von Aachen entfernt steht das belgische Kernkraftwerk Tihange - ein Anschlag dort wäre auch für die Menschen in NRW eine Gefahr. Wie groß ist das Terror-Risiko wirklich? Von Detlev Hüwel

Nach den Anschlägen von Brüssel wird zunehmend darüber spekuliert, dass die ohnehin als unsicher geltenden belgischen Atomkraftwerke (AKW) in Doel und Tihange ins Visier von Islamisten geraten könnten. Nach Einschätzung der belgischen Atomaufsicht besteht grundsätzlich eine Terrorgefahr für die heimischen Kernkraftwerke. Tihange ist nur 70 Kilometer von Aachen entfernt.

Das NRW-Umweltministerium war noch am Dienstag vom Auswärtigen Amt in Berlin sowie vom Bundesumweltministerium über die Teil-Evakuierung der beiden belgischen AKW informiert worden. Diese Sicherheitsmaßnahmen erfolgten, nachdem in Belgien die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen worden war. Mitarbeiter der AKW, deren Anwesenheit für den Betrieb der Meiler nicht zwingend erforderlich war, durften die Anlagen nicht mehr betreten. Inzwischen wurde das Personal aber wieder aufgestockt.

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Im Zusammenhang mit der Teil-Evakuierung wird jetzt darauf hingewiesen, dass ein bekennender Dschihadist aus Marokko trotz interner Sicherheitschecks jahrelang als Techniker im Hochsicherheitstrakt des AKW Doel arbeiten konnte. 2014 soll der Mann bei Kämpfen in Syrien getötet worden sein.

Wie zudem erst jetzt bekannt wurde, hat die Polizei Ende 2015 bei der Durchsuchung der Brüsseler Wohnung eines mutmaßlichen Islamisten ein mehrstündiges Video gefunden, auf dem das Haus des Direktors des belgischen Nuklearforschungszentrums zu sehen ist. Offenbar wurde der Mann observiert.

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"Es ist klar, dass die AKW zumindest im Visier der Terroristen waren", sagte der Energieexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Thorben Becker, unserer Redaktion. Die Gefahr, vor der man gewarnt habe, sei "plötzlich sehr real geworden". Wenn es in einem belgischen AKW zu einem Unfall oder einem Terroranschlag komme, sei von einer "konkreten Gefährdung" der Menschen auch in NRW auszugehen.

Das von Johannes Remmel (Grüne) geleitete NRW-Umweltministerium erklärte, es stehe mit den zuständigen deutschen Stellen in Belgien in Kontakt. Ein Sprecher fügte hinzu: "Wir verfolgen den Vorgang intensiv." NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte unmittelbar nach den Bombenanschlägen betont, die Landesregierung nehme die Gefährdungslage sehr ernst: "Wir wissen, dass auch Deutschland im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus steht." Jäger nannte es zugleich erschreckend, dass es den belgischen Sicherheitsbehörden nicht gelungen sei, die terroristische Zelle aufzuspüren. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Hoffmann (Dortmund) bezeichnete diese Äußerung als "starkes Stück"; Jäger lasse jede gegen ihn selbst gerichtete Kritik abperlen.

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Allein wegen ihres Alters und angeblicher Rissbildung sind die belgischen AKW nach Ansicht von Grünen-Landeschef Sven Lehmann "tickende Zeitbomben". Tihange war nach Störfällen erst kürzlich wieder in Betrieb gegangen. Dagegen haben NRW und Rheinland Pfalz bei der EU-Kommission Beschwerde eingelegt. Die Behörde müsse sich damit vordringlich befassen, fordert der BUND. Sein generelles Fazit: "Atomkraftwerke sind nicht wirklich vor Terroranschlägen zu schützen." Auch in Deutschland müssten die Meiler so schnell wie möglich vom Netz genommen werden.

Quelle: RP
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