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Niederlande
Khadija Arib führt Parlament in Den Haag

Niederlande: Khadija Arib führt Parlament in Den Haag
Khadija Arib im niederländischen Parlament in Den Haag. FOTO: Robin Van Lonkhuijsen
Den Haag. Die aus Marokko stammende Sozialdemokratin Khadija Arib ist neue Vorsitzende des niederländischen Parlaments. Die Zweite Kammer wählte die 55-Jährige am Mittwochabend in Den Haag. Arib ist die erste Parlamentsvorsitzende in den Niederlanden mit einem Migrationshintergrund.  Von Philipp Jacobs

Wenn Rechtspopulist Geert Wilders von einem "schwarzen Tag in der niederländischen Parlamentsgeschichte" spricht, dann muss im Umkehrschluss eigentlich etwas Gutes passiert sein.

Was Wilders so auf die Palme gebracht hat, ist für die Demokraten in den Niederlanden ein historisch wichtiger Schritt: Die Zweite Kammer des Parlaments wählte Khadija Arib zur ersten Vorsitzenden mit Migrationshintergrund. Sie besitzt auch einen marokkanischen Pass.

Die 55-Jährige setzte sich im vierten Wahlgang in Den Haag mit 83 zu 51 Stimmen gegen ihren Mitstreiter Ton Elias durch. Die Zweite Kammer ist im niederländischen Politiksystem die wichtigere. Sie ist das eigentliche Gesetzgebungsorgan. Der Posten des Vorsitzenden ist in Deutschland mit dem des Bundestagspräsidenten vergleichbar.

Seit 1998 ist Arib Mitglied der Zweiten Kammer. Sie vertritt dort die Partei der Arbeit. Über ihr neues Amt sagte sie: "Es bringt eine Menge Publicity mit sich, auch negative." Die Sozialdemokratin weiß, dass sie mit ihrem marokkanischen Hintergrund auch polarisiert. Als Mitglied des Parlaments bekämpft sie deshalb jede Form von Rassismus und Diskriminierung. Zudem setzt sie sich für die Belange der Jugend und der Frauen ein. So ist sie Mitbegründerin der marokkanischen Frauenvereinigung in den Niederlanden.

Arib stammt aus Hedami, nahe Casablanca. Mit 15 Jahren kam sie als Tochter eines Gastarbeiters in die Niederlande. Sie studierte an der Hochschule für Soziale Arbeit sowie an der Universität Amsterdam Soziologie. Im Anschluss arbeitete sie für Wohlfahrtsorganisationen in Breda und Utrecht, bis sie Mitglied im Parlament wurde. Ihr Leben als Ausländerin in den Niederlanden verarbeitete sie 2009 in ihrer Autobiografie "Couscous am Sonntag: Eine Familiengeschichte". Nach ihrer historischen Wahl kündigte Arib an, sie wolle eine "Kammervorsitzende für alle" sein.

Quelle: RP
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