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Geiseldrama in London friedlich beendet: Kidnapper und einige Passgiere waren Großfamilie

zuletzt aktualisiert: 10.02.2000

London/Islamabad (dpa). Die längste Flugzeugentführung der britischen Geschichte ist am Donnerstag auf dem Flughafen London-Stansted ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Nach vier Tagen wurden alle 151 Geiseln freigelassen. Die Luftpiraten ergaben sich. Taliban-Führer Mullah Mohammad Omar hat die Auslieferung der befreiten Geiseln verlangt. Die britische Polizei hat am Donnerstag 21 Insassen der afghanischen Maschine festgenommen. Sie würden alle verdächtigt, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein, sagte der Leiter der Polizeiaktion, David Stevens. Die britische Nachrichtenagentur PA erfuhr vom Innenministerium in London, dass in den ersten Stunden nach der Freilassung bereits rund 60 Passagiere Asyl beantragt hätten.

Der britische Innenminister Jack Straw kündigte an, er werde alle Insassen so schnell wie möglich abschieben. ""Ich bin entschlossen, jedermann deutlich zu machen, dass sich Flugzeugentführungen nicht auszahlen", sagte er im Parlament.

Nach Recherchen der britischen Presse ist etwa ein Drittel der Passagiere mit den Kidnappern verwandt. Zusammen hätten sie die Entführung von langer Hand geplant. Der Pilot, der sich am Dienstagabend aus dem Cockpit abgeseilt hatte, berichtete demzufolge von einem sehr vertrauten Umgang zwischen Entführern und Passagieren. Sie hätten zusammen gegessen, gelacht und geplaudert. Als Hochzeitsgesellschaft getarnt, sei die "Großfamilie" mit Kisten und Koffern für ein neues Leben im Westen an Bord der Maschine gegangen. Einige Frauen hätten die Waffen der Entführer unter ihren Gewändern in die Maschine geschmuggelt.

Die Polizei versicherte, dass niemandem an Bord Asyl versprochen worden sei. Weitere Festnahmen wurden nicht ausgeschlossen. An Waffen stellte die Polizei unter anderem Pistolen, Messer und Handgranaten sicher. "Die Passagiere sind bedroht worden", sagte der Leiter der Polizeiaktion, David Stevens. Doch niemand sei ernsthaft verletzt worden. Der afghanische Taliban-Führer Mullah Mohammad Omar forderte die Rückkehr der befreiten Geiseln. Mit den Entführern könnten die Briten dagegen machen, was sie wollten. Die fundamentalistisch- islamische Führung in Kabul hatte Verhandlungen mit den Luftpiraten abgelehnt.

Die am Sonntag auf einem Inlandsflug in Afghanistan entführte dreistrahlige Boeing 727 war am Montagmorgen nach einem Irrflug über Usbekistan, Kasachstan und Moskau in Stansted gelandet. Das Ende des Geiseldramas kam am Donnerstagmorgen in Sicht, als die Luftpiraten eine erste Gruppe von 85 Geiseln freiließen, darunter viele Frauen und Kinder. Zuvor hatten zwei der Entführer die Maschine über die Hecktreppe verlassen und auf dem Rollfeld erstmals direkte Gespräche mit der Polizei geführt. Drei Besatzungsmitglieder trugen nach Angaben der Polizei wesentlich zur Klärung der Situation bei. Auch eine Expertin der UN-Flüchtlingskommission für Asylfragen wurde eingeschaltet. Die ganze Zeit über standen bewaffnete Sondereinheiten auf dem Flughafen bereit.

Die Chronik der längsten britischen FlugzeugentführungDie am Sonntag auf einem Inlandsflug in Afghanistan entführte dreistrahlige Boeing 727 war Montagfrüh nach einem Irrflug über Usbekistan, Kasachstan und Moskau in Stansted gelandet. Über die Motive der Entführer teilte die Polizei zunächst nichts mit. Nach Presseinformationen ging es ihnen darum, Asyl zu erhalten.

Das Ende des Geiseldramas zeichnete sich ab, als die Luftpiraten am frühen Donnerstagmorgen eine erste Gruppe von rund 85 Geiseln freiließen, darunter viele Frauen und Kinder. Zuvor hatten zwei der Entführer die Maschine über die Hecktreppe verlassen und auf dem Rollfeld erstmals direkte Gespräche mit der Polizei geführt. Drei Besatzungsmitglieder trugen nach Angaben der Polizei wesentlich zur Klärung der Lage bei. Auch eine Expertin des UN-Flüchtlingshilfswerks wurde hinzu gezogen. Die ganze Zeit über standen bewaffnete Sondereinheiten auf dem Flughafen bereit.

Zur schwersten Krise während der Verhandlungen war es in der Nacht zum Mittwoch gekommen, als sich der Pilot und drei andere Besatzungsmitglieder durch ein Cockpit-Fester abseilten und flüchteten. Die Polizei konnte die Täter jedoch wieder beruhigen. Die fundamentalistisch-islamische Führung in Kabul hatte Verhandlungen mit den Entführern abgelehnt. Zunächst hatte es geheißen, die Luftpiraten verlangten die Freilassung eines prominenten Regimegegners. Doch später konzentrierten sich die Spekulationen darauf, dass die Entführer politisches Asyl bekommen wollten.

Der Fernsehsender Channel 4 berichtete, die Luftpiraten und ein Teil der Geiseln steckten "unter einer Decke." Eine Großfamilie mit rund 40 Mitgliedern an Bord habe Verbindungen zu den Entführern. Nach einem Bericht der "Sun" (Donnerstag-Ausgabe) sind sogar alle Flugzeuginsassen miteinander verwandt. Die Luftpiraten hätten ihre Familien mitgebracht, schrieb das Blatt. Der britische Innenminister Jack Straw tendiere deshalb dazu, "sie umgehend wieder aus dem Land zu schicken".

Taliban-Führer Mullah Mohammad Omar hat nach dem Ende der Flugzeugentführung von Großbritannien die Auslieferung der befreiten Geiseln verlangt. Die britische Regierung könne mit den Entführern verfahren, wie sie wolle, müsse aber die Passagiere und das Flugzeug nach Afghanistan zurückschicken, sagte Omar in einer in Kandahar veröffentlichten Erklärung. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP am Donnerstag.

Quelle: RPO Archiv

 
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