Entlassung aus dem Camp gefordert: Kinder drohen in australischem Flüchtlingslager mit Selbstmord
zuletzt aktualisiert: 28.01.2002 - 08:09Sydney (rpo). In Sydney haben in einem Flüchtlingslager 15 Jungendliche mit ihrem Selbstmord gedroht, wenn sie nicht entlassen werden. Einwanderungsminister Philip Ruddock bezweifelte entsprechende Meldungen.
Eine Gruppe von 15 Minderjährigen hat nach Angaben von Anwälten im Lager Woomera die Selbstmorddrohung ausgesprochen.
Einwanderungsminister Philip Ruddock bezweifelte nach australischen Medienberichten, dass die Flüchtlinge im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, die ohne erwachsene Familienangehörige in Woomera sind, ihren Selbstmord angekündigt haben könnten. Ministerpräsident John Howard sprach von einer "Drohung", die aber die harte Position der Regierung gegen illegale Einwanderer nicht aufweichen werde. Howard wies die internationale Kritik am Umgang mit den Asylsuchenden zurück. Wenn sich Flüchtlinge im Land frei bewegen könnten, würde dies nur einen weiteren Zustrom auslösen.
Unterdessen gingen die Hungerstreiks in vier von fünf Flüchtlingslagern in Australien weiter. Vor den Internierungslagern kam es zu Protesten gegen die Behandlungen der Flüchtlinge. Das Rote Kreuz zeigte sich wegen der Lage besorgt.
Im Lager Woomera befinden sich 900 Menschen
Über die Zahl der Protestierenden gingen die Angaben auseinander. Während die Anwälte der Betroffenen von etwa 370 Menschen in Woomera sprachen, die sich an dem Protest beteiligen, nannte die Einwanderungsbehörde die Zahl von etwa 168 Internierten. 35 unter ihnen hätten sich die Lippen zusammengenäht. In den anderen betroffenen Camps waren es nach australischen Medienberichten vom Montag 43 Hungerstreikende.
Am Sonntag hatten sich Hunderte von Demonstranten aus Solidarität für hungerstreikende Asylbewerber vor Internierungslagern versammelt. In Sydney begannen Protestierende einen Hungerstreik vor dem Internierungszentrum Villawood, in Melbourne durchbrachen sie den Zaun des Maribyrnong-Lagers. Australien hält alle illegal eingereisten Flüchtlinge solange fest, bis ihre Asylanträge bearbeitet sind. Dies kann Monate oder sogar Jahre dauern. Dagegen richtet sich vor allem der Protest der Internierten.
Allein im Lager Woomera, einem ehemaligen schwer zugänglichen Raketenstützpunkt im Norden des Landes, befinden sich unter den 900 Asylsuchenden 240 Afghanen, die auf eine Entscheidung warten.
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