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Bis zu 1000 Fälle
Bund und Länder wollen gegen Kinderehen vorgehen

Kinderehen: Bund und Länder wollen gegen Fälle in Deutschland vorgehen
Ein Kind als Ehefrau - Bund und Länder wollen solche Fälle gemeinsam verhindern. FOTO: dpa, skh pzi dna
Berlin. Resultierend aus dem Zuzug Hunderttausender Flüchtlinge nach Deutschland gibt es hierzulande nach Behördenschätzungen bis zu 1000 Kinderehen.

Allein in Bayern seien bis Ende April 550 verheiratete Asylsuchende unter 18 Jahren registriert worden. "Zwangsehen dürfen wir nicht dulden - erst recht nicht, wenn minderjährige Mädchen betroffen sind", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Am Montag soll eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu Thema einberufen werden.

Konkrete Vorschläge, wie die Zahl der Kinderehen reduziert werden kann, gibt es bereits von Unionsseite. Die Unionsfraktion im Bundestag beschäftigt sich damit bei ihrer Klausurtagung. Auch aus der Frauenunion kommen Forderungen nach einer Gesetzesverschärfung gegen Kinderehen.

Die Vorsitzende der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz (CDU), fordert eine Heraufsetzung des Mindestalters für Eheschließung von 16 auf 18 Jahre. "Wenn die Ehemündigkeit ausnahmslos für alle auf 18 Jahre festgelegt würde, könnten in Deutschland auch keine Ehen mit Minderjährigen mehr neu geschlossen werden", sagte Widmann-Mauz unserer Redaktion. Sie forderte zudem, die 2009 abgeschaffte Regelung wieder einzuführen, wonach eine Ehe erst standesamtlich geschlossen werden muss, bevor die Eheleute kirchlich getraut werden können. "Es darf nicht sein, dass das Standesamtgebot unterlaufen und grundlegende Rechte von Mädchen in Nichtehen missachtet werden."

Zudem sollen Jugendämter und Betroffene nach den Forderungen der Frauenunion das Recht erhalten, bei Gericht die Aufhebung einer Kinderehe zu beantragen. Zugleich soll es mehr Aufklärung geben.

(qua)
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