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Handelskonzern wird nicht verkauft: Klappe mit Happy End im METRO-Krimi

zuletzt aktualisiert: 25.07.2000 - 14:56

Düsseldorf (dpa/lnw). Die Story hatte alles, was ein spannender Kriminalroman braucht: Ein erbitterter Machtkampf mit Hintermännern, Intrigen und Leidenschaft. In der Hauptrolle die Düsseldorfer METRO AG, Deutschlands größter Handelskonzern. Monat für Monat schrieben Analysten, Branchenkenner und Finanzanleger an einem Drehbuch, das jetzt ein überraschendes Ende fand. Die scheinbar dem Untergang geweihte METRO AG lebt weiter. Der Konzern wird nicht verkauft oder zerschlagen.

Dabei klang das Szenario Erfolg versprechend. Als Gegenspieler von METRO betrat Wal-Mart selbstbewusst die deutsche Einzelhandelsbühne. Der US-Handelsriese schießt dann in einem zermürbenden Preiskrieg die Bastion sturmreif. Die METRO-Besitzer werfen die Flinte ins Korn und übergeben schließlich ihre Handelsstützpunkte den Amerikanern. Doch letztlich spielte bei diesem ökonomischen Duell wohl auch die Frage der Ehre eine Rolle, die in keinem Hollywood-Streifen fehlen darf.

"Otto Beisheim würde eher sterben, als sein Lebenswerk zerstören zu lassen", meint ein intimer METRO-Kenner. Der Konzerngründer fing einst in Mülheim an der Ruhr mit einem Großmarkt an und zählt heute als Milliardär zu den reichsten Deutschen aller Zeiten. Geld könne diesen Mann nicht zu einem Verkauf an die Amerikaner bewegen. Auch der Familiendynastie Haniel, die an METRO beteiligt ist, werden volle Kassen nachgesagt. Der Haniel-Konzern wirft steigende Gewinne ab.

Nach wochenlanger Zurückhaltung sprangen die Großaktionäre doch noch dem METRO-Vorstand zur Seite. Mit einer gemeinsame Erklärung durchkreuzten sie alle Verkaufsszenarien, die in den eigenen Reihen für Unruhe sorgten. "Das ging bis hin zur Kassiererin, die plötzlich Angst um ihren Arbeitsplatz hatte", meint ein Arbeitnehmervertreter. Denn "Synergieeffekte" bedeuteten im wahren Leben "Stellenabbau". Der Düsseldorfer METRO-Konzern hat immerhin rund 126 000 Mitarbeiter.

Nachdem sich der Pulverrauch verzogen hat, steht Erwin Conradi als tragische Figur da. Beisheims langgedienter "General" muss von der Aufsichtsratsspitze trotz aller Verdienste weichen. Er schuf mit der Übernahme von Kaufhof, Massa und Asko ein Imperium mit rund 85 Milliarden DM Umsatz. Doch letztlich schoss er über das Ziel hinaus. "Conradi hat sich permanent in die Vorstandskompetenzen eingemischt", schildert ein Aufsichtsrat. Der interne Machtkampf sei nun beendet.

Quelle: RPO Archiv

 
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