Dank an Bürger für Anteilnahme an Hannelores Tod: Kohls Rückkehr in die Öffentlichkeit
zuletzt aktualisiert: 12.08.2001 - 14:23Berlin (rpo). Überraschend und unfreiwillig stand Helmut Kohl nach dem Freitod seiner Frau Hannelore im Interesse der Öffentlichkeit. Doch scheinbar hat der Altkanzler wieder Gefallen daran gefunden. "König Kohl" meldet sich in der "Bild"-Zeitung zu Wort.
Er dankte er den Bürger für ihre Anteilnahme an dem für ihn und seine Söhne schrecklichen Ereignisse. In Kohls Haus in Oggersheim und seinem Berliner Büro in der Straße Unter den Linden türmen sich tausende von Briefen und Beileidskarten aus allen Schichten der Bevölkerung.
Und noch immer kommt die Post säckeweise, wie es aus seiner Umgebung hieß. Manchmal ist es nur ein Satz, der Mitgefühl mit dem Schicksal von Hannelore Kohl äußert, aber auch umfangreiche Briefe sind dabei. Kohl liest jeden Brief, kann aber nicht auf jeden eingehen: Leider sei er außer Stande, sie alle zu beantworten, sagte er "Bild". Aber das Mitgefühl tröste ihn.
Seit dem 5. Juli, dem Todestag seiner Ehefrau, hat Kohl seine Berliner Arbeitsräume nur zu Stippvisiten besucht. Daran werde sich auch vorläufig nichts ändern, sagen Vertraute. Die Parlamentsferien machen seine Anwesenheit gegenwärtig auch nicht unbedingt erforderlich. Die 200 Quadratmeter große Eigentumswohnung in Dahlem, die Hannelore Kohl einrichtete, aber Monate vor ihrem Tod wegen ihrer Krankheit verlassen musste, ist fast unbewohnt. Nahezu jeden Tag und immer Abends, wenn der Ex-Kanzler nicht gestört wird, besucht Kohl das Grab seiner Frau in unmittelbarer Nähe seines Hauses in Oggersheim. Neben den Söhnen Peter und Walter steht im sein "Majordomus" und Fahrer seit mehr als 30 Jahren, "Ecki" Seeber, zur Seite.
Kohl kritisiert PDS anlässlich des Mauerbaus
Die CDU hatte ihren ehemaligen Vorsitzenden für die Gedenkfeiern zum 40. Jahrestag des Mauerbaus fest eingeplant. Zunächst hielt Kohl trotz des Todes seiner Frau an seinem Vorhaben fest, sich aktiv in die Feiern und den Berliner Wahlkampf einzuschalten. Dann sagte er jedoch bis auf weiteres alles Veranstaltungen ab. Kohl, daraus macht seine Umgebung keinen Hehl, kommt nur sehr schwer über den Tod seiner Frau hinweg.
In gewohnter Schärfe griff er anlässlich des Mauerbaus vor 40 Jahren die PDS an. Die Erklärung der Partei zum Mauer-Bau sei "überhaupt nicht ausreichend", sagte er. Das mehr als 150 Kilometer lange Bauwerk rund um Berlin war für ihn eine "Schandmauer".
Beobachter erwarten, dass sich der Ex-Kanzler zunehmend zumindest indirekt wieder in die Politik einmischen wird. Sein Augenmerk gilt aber vor allem seinen Memoiren, die irgendwann im Herbst oder bis zum Jahresende erscheinen sollen. Nahezu bis zuletzt hatte Hannelore Kohl daran mit gearbeitet. Zu Erwarten ist, dass Hannelore Kohls Tod in diesen Lebenserinnerungen einen großen Platz einnehmen werden. Mitte September, wenn der Bundestag zu seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien zusammen kommt, wird auch Kohl wieder in Berlin erwartet.
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