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Bolivien: Koka-Bauer Morales gewinnt Präsidentschaftswahlen

zuletzt aktualisiert: 19.12.2005 - 06:24

La Paz (rpo). In Bolivien hat der Anführer der Koka-Bauern, Evo Morales, die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Nach TV-Hochrechnungen stimmten mehr als 50 Prozent der Wähler für den Sozialisten, nur 31 Prozent entschieden sich für seinen konservativen Gegenkandidaten Jorge Quiroga. Der 46-jährige Morales ist damit der erste Indio an der Spitze eines lateinamerikanischen Landes.

Quiroga räumte seine Niederlage ein und gratulierte Morales zu seinem Sieg. Der 46-jährige Gewerkschaftsführer kündigte Reformen an. "Die neue Zeit Boliviens bricht an, für Gleichheit in Frieden und für den Wechsel, den das bolivianische Volk erhofft", sagte rief am Abend (Ortszeit) seinen Anhängern in seinem Heimatort Cochabamba in den Anden zu.

Das Institut Apoyo stützte seine Hochrechnungen auf die Auszählung von rund 60 Prozent der Stimmen. Demnach lag Morales bei 51 Prozent der Stimmen. Sollten die Hochrechnungen durch die ersten offiziellen Ergebnisse bestätigt werden, wäre Morales der erste Indio-Führer in einem Präsidentenamt in Südamerika. Für den Sieg im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit erforderlich. Ansonsten entscheidet nach bolivianischem Gesetz der Kongress über den neuen Präsidenten.

"Dieser große Triumph des Volkes zeigt die Veränderung in unserem Land", sagte der Führer der Bewegung zum Sozialismus (MAS). Die MAS kam Prognosen zufolge auf 65 der 130 Parlamentssitze, sie errang außerdem 13 der 27 Sitze im Senat.

Rund 3,6 Millionen Menschen waren in Bolivien am Sonntag aufgerufen, einen Präsidenten, einen neuen Kongress und die neun Provinzgouverneure zu wählen.

Der konservative Ex-Präsident Quiroga räumte seine Niederlage ein. "Ich gratuliere Evo Morales und Alvaro García Lineras", dem wahrscheinlichen künftigen Vize-Präsidenten, sagte Quiroga im bolivianischen Fernsehen. In der bolivianischen Demokratie beginne nun ein neuer Abschnitt.

Morales schärft seit Jahren sein Profil als radikaler Revolutionär, womit er vor allem die mehrheitliche Bevölkerungsschicht der armen Indios für sich einnimmt. Der Aymara-Indianer tritt für die vollständige Verstaatlichung der Öl- und Gasvorkommen ein. Argwöhnisch beäugt von den USA fordert er eine Abkehr von der Null-Drogen-Politik Washingtons und den freien Koka-Anbau in Bolivien.

Dagegen vertritt der wirtschaftsliberale Quiroga die bislang regierende Gesellschaftsschicht, die sich aus den Nachfahren europäischer Einwanderer zusammensetzt. In seinem Wahlkampf versprach der 45-Jährige die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen, eine allgemeine Gesundheitsversorgung, die Absenkung der Gaspreise sowie die Abschreibung der vier Milliarden Dollar Auslandsschulden. Den Kokabauern Morales bezeichnete er als "Drogenhändler", obwohl Koka von den Indios traditionell als Heilpflanze angebaut wird. Morales' Anhänger wiederum wetterten gegen Quiroga, er wolle das Land an die Meistbietenden verkaufen.

Die verbale Schlammschlacht legte offen, wie tief der Graben zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen mittlerweile ist. Seit Gonzalo Sánchez de Lozada nach seiner Wahl zum Präsidenten 2002 mehrere ausländische Energiemultis stärker in die Gasförderung einband, um die riesigen Gasvorkommen besser nutzen zu können, jagte ein Protest den nächsten. 2003 musste Lozada zurücktreten, nachdem er Unruhen blutig hatte niederschlagen lassen. Auch der gemäßigte Kurs seines Nachfolgers Carlos Mesa kam nicht an - im Sommer gab er sein Amt auf.

Quelle: afp

 
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