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Barak: "Erinnerung an die Ermordeten beschädigt": Kontroverse über Holocaust- Äußerungen von Schas-Rabbiner

zuletzt aktualisiert: 06.08.2000 - 17:43

Jerusalem (dpa). Der umstrittene israelische Rabbiner Ovadia Joseph hat mit einer Äußerung, wonach die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust "wiedergeborene Sünder" seien, die nur für ihre Sünden bestraft wurden, einen Skandal in Israel ausgelöst. Unter den Kritikern war auch Ministerpräsident Ehud Barak, der dem Geistlichen vorwarf, "die Erinnerung an die Ermordeten zu beschädigen".

Ovadia Joseph, geistlicher Führer der ultraorthodoxen Schas- Partei, hatte am Samstagabend in einer Predigt neben einigen offen rassistischen Äußerungen über Moslems erklärt: Alle sechs Millionen Holocaust-Opfer seien "Re-Inkarnationen jener gewesen, die gesündigt haben, oder die andere zu Sünden verleiteten und alle möglichen Sachen machten, die man nicht tut. Sie kamen zurück, um zu büßen".

Joseph, der etwa 80 Jahre alt ist, meinte außerdem, Araber seien "ein verfluchtes, böses Volk, das Israel hasst". Gott bedaure "jeden Tag, dass er diese Ismaeliten (Moslems) erschaffen hat". Für diese Bemerkung muss Joseph, der von seinen Anhängern wie ein Heiliger verehrt wird, möglicherweise mit einem Strafverfahren rechnen.

Der Vorsitzende der anti-klerikalen Schinui (Veränderungs)-Partei Joseph Lapid meinte zu Josephs Tiraden: "Joseph ist entweder ein seniler alter Mann und ein solcher Trottel, dass seine Äußerungen keine Reaktion verdienen, oder jemand, der den Anhängern der Nazis eine Rechtfertigung gibt". Auch der Leiter des Simon Wiesenthal- Zentrums in Jerusalem verurteilte die Äußerungen. Die Erklärung Josephs seien "besonders unglücklich", meinte Efraim Zuroff, weil sie "die für den Holocaust Verantwortlichen von der Verantwortung für ihre Verbrechen befreien und sie zu Vollstreckern des Willen Gottes" machten. Außerdem würden sie "die bereits bestehenden Spannungen in der israelischen Gesellschaft verstärken".

Der in der vergangenen Woche mit Hilfe der 17 Schas-Abgeordneten gewählte, selbst orthodoxe Präsident Mosche Katsav, meinte, er "lehne die Äußerungen ab", er wisse jedoch, dass der Rabbiner ebenso Schmerz über den Holocaust empfinde, wie jeder andere Jude. Der Oberrabbiner der europäischen Juden in Israel, Israel Lau, meinte zu den Äußerungen: "Diese Generation ist noch zu nahe am Holocaust, um die Gründe für ihn zu verstehen".

Gleichzeitig aber verurteilte Lau die Bemerkung Ovadia Josephs, der die orientalischen Juden Israels repräsentiert, als "unpassend". Lau selbst ist ein Holocaust- Überlebender. Die Vereinigung der Holocaust-Überlebenden in Israel forderte den umstrittenen Rabbiner auf, seiner "schockierenden" Äußerungen zurück zu nehmen, da sie lediglich Munition für Anti-Semiten und Neo-Nazis bieten würden.

Wie der israelische Rundfunk am Sonntag berichtete, wurden die Bemerkungen des kontroversen Geistlichen von seinen Anhängern mit Applaus aufgenommen worden. Über den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak sagte Joseph, "er (Barak) läuft Amok und den bösen Ismaeliten hinterher. Er wird uns Schlangen bringen, die neben uns in Jerusalem leben sollen. Er hat keinen Verstand".

Unter der arabischen Bevölkerung Israels, aber auch unter den Palästinensern lösten Josephs Bemerkungen über die Araber Empörung aus. Der israelische Abgeordnete Ahmed Tibi kündigte an, gegen den Rabbiner Anzeige wegen Volksverhetzung zu erstatten. Der palästinensische Geheimdienst-Chef Dschibril Radschub nannte die Äußerungen "reinsten Rassismus".

Quelle: RPO Archiv

 
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