Russische Flagge weht angeblich über letzte Rebellen-Bastion: Krieg in Tschetschenien beendet?
zuletzt aktualisiert: 01.03.2000 - 03:04Moskau (dpa). Knapp fünf Monate nach ihrem Einmarsch in Tschetschenien haben russische Truppen am Dienstag nach eigenen Angaben die letzte größere Rebellen-Bastion erobert und damit den Feldzug praktisch abgeschlossen. Am Mittag wurde in Schatoi im Argun- Flusstal die russische Flagge gehisst.
In Moskau bewerteten Interimspräsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Igor Sergejew die Operation als «sehr erfolgreich». General Gennadi Troschew, stellvertretender Kommandeur der russischen Kaukasus-Truppen, erklärte das gesamte Argun-Tal für erobert. «Die Hauptgruppen der Rebellen sind zerschlagen», sagte Troschew.
Troschew erklärte die breit angelegten Operationen des Feldzuges im Kaukasus für beendet. In Moskau erklärte der für Tschetschenien zuständige Kreml-Sprecher Sergej Jastrschembski, dass nunmehr der organisierte Widerstand der Rebellen gebrochen sei. «Sie haben einen empfindlichen Schlag erlitten, sie wurden in eine Vielzahl kleiner Gruppen zersplittert», zitierte ihn die Agentur Itar-Tass. Eine dieser Gruppen wurde am Nachmittag in unmittelbarer Nähe von Schatoi eingekreist, während eine zweite Gruppe nach ihrem Ausbruch erst bei Urus-Martan, südwestlich der Hauptstadt Grosny gestellt wurde.
In Moskau erstattete Verteidigungsminister Sergejew seinem Präsidenten am Nachmittag Bericht über den Verlauf der vermutlich letzten größeren Operation seiner Truppen in Tschetschenien. Beide bewerteten den Einsatz bei Schatoi als «sehr erfolgreich». Zu dem «Erfolg» der russischen Streitkräfte meinte Sergejew, dieser sei in erster Linie auf die «harte politische Entschlossenheit» der russischen Führung zurückzuführen.
In den kommenden drei Wochen stünden der russischen Armee die «Verfolgung und Vernichtung» kleinerer Rebellen-Gruppen im Gebirge bevor, kündigte Troschew an. «Unsere Aufgabe ist jetzt die vollständige Vernichtung der Rebellen, bis zum letzten Mann», sagte er in einer direkten Schaltung mit NTW. «Sie (die Rebellen) sind in die Wälder geflohen, aber wir werden sie jagen und vernichten.»
In absehbarer Zeit könne mit dem Abzug russischer Truppenverbände aus Tschetschenien begonnen werden, meinte Troschew. Die Reduzierung der Truppenstärke im Kaukasus war von russischer Seite in den vergangenen Monaten bereits mehrmals angekündigt, aber nicht durchgeführt worden. Dennoch soll eine knapp 25 000 Mann starke Division fest in Tschetschenien stationiert werden.
Nach Angaben Troschews brachten russische Truppen die Ortschaft am Morgen vollständig unter ihre Kontrolle. Bei dem entscheidenden Angriff auf Schatoi seien russische Einheiten auf eine rund 200 Mann starke Nachhut der Rebellen gestoßen. Im Verlauf der schweren Gefechte seien etwa 150 Rebellen getötet worden.
Um Schatoi hatten sich die letzten größeren Verbände der Rebellen versammelt. Zuletzt sollen knapp 2 000 Rebellen die Ortschaft verteidigt haben. In der Region soll sich auch der tschetschenische Präsident Aslan Maschadow aufhalten, ebenso wie eine Reihe der wichtigsten Feldkommandeure der Rebellen. «Vielleicht sind sie schon längst vernichtet worden», sagte Troschew.
Über zwei Drittel der Russen sprachen sich am Dienstag in einer Umfrage für die Fortsetzung des Kriegs «bis zum vollständigen Sieg über die Terroristen» aus. Fast 65 Prozent von 1 500 Russen, die vom Russischen Meinungs- und Marktforschungsinstitut in Moskau befragt worden waren, hatten sich für diese Variante entschieden. Für ein Ende der Kampfhandlungen und die Aufnahme von Friedensverhandlungen traten 28 Prozent der Befragten ein.
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