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Moskau
Krim-Bevölkerung hält weiter zu Russland

Moskau. Unter den russischen Regionen hat die Krim den schlechtesten Lebensstandard. Von Klaus-Helge Donath

Sergej Aksonow versteht es, das Volk bei Laune zu halten. Und so viel Selbstbewusstsein und Optimismus sind ansteckend. Auch nach zwei Jahren hat sich die Begeisterung in der Krim-Bevölkerung für den Anschluss an Russland noch nicht gelegt. Zwar ist die Euphorie ein wenig verflogen, doch der Glaube an eine bessere Zukunft mit Russland ist noch nicht erschüttert. 95 Prozent der Menschen sprachen sich 2014 für einen Wechsel unter Moskaus Dach aus.

Das hält die Politik jedoch nicht zum effektiven Arbeiten an. Nach Erhebungen der Agentur Ria-Rating steht die Krim beim Lebensstandard auf dem letzten Platz aller russischen Regionen. 2015 betrug die Inflation mehr als 26 Prozent, die Lebensmittelpreise stiegen unterdessen um 28 Prozent. Das frisst die Anpassung der Gehälter und Renten an russisches Niveau fast wieder auf. Die Krim hängt in der Schwebe. Russische Unternehmen wagen es nicht, sich auf der Halbinsel niederzulassen.

Sie fürchten Konsequenzen wegen der westlichen Sanktionen. Die Sberbank, Russlands wichtigstes Kreditinstitut fehlt, ebenso wie die Russische Post. Auch der größte Ölproduzent Rosneft und die Tankstellen der Kette Lukoil sind nicht vertreten. Moskaus Fluglinie Aeroflot fliegt Simferopol nicht an. Moskau spricht von gelungener Integration in den russischen Staatsverband - zum ersten Jahrestag vor einem Jahr gab Russlands Präsident Wladimir Putin sogar eine Gesangseinlage.

Die Integration beschränkt sich jedoch auf die Übernahme der Gesetzgebung. Seit die Landverbindung zur Ukraine unterbrochen ist, kann die Krim nur mit Flugzeug oder Fähre erreicht werden. Im Mutterland ist unterdessen ein vorsichtiger Stimmungswechsel erkennbar, weil Moskaus wirtschaftliche Talfahrt auch etwas mit den Krim-Kosten zu tun haben könnte.

Quelle: RP
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