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Berlin
Kritik an neuen Regeln für Embryonen-Tests

Berlin. Mit einer Verordnung zu Embryonen-Tests hat Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine neue Debatte über die Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgelöst. Bei der PID werden im Rahmen der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas gezeugte Embryonen auf Erbkrankheiten untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingesetzt werden. Vor etwa einem Jahr hatte sich der Bundestag dazu durchgerungen, die PID in begrenztem Rahmen zuzulassen. Die dazugehörige Verordnung, die das Gesundheitsministerium nun veröffentlicht hat, heizt die Debatte erneut an. Von Eva Quadbeck

Die Verordnung sieht vor, dass eine unbegrenzte Zahl an Zentren zugelassen werden kann, die PID anbieten. Grundsätzlich dürfen Paare eine Präimplantationsdiagnostik in Anspruch nehmen, denen aufgrund ihrer Gen-Anlagen eine Tot- oder Fehlgeburt droht oder die eine schwere Krankheit an ihr Kind vererben könnten. Bevor die Untersuchung vorgenommen werden darf, muss eine Ethikkommission dem Eingriff zustimmen. Die Zahl dieser Kommissionen soll nach den Plänen des Gesundheitsministeriums nicht begrenzt werden. Der Verordnung zufolge sollen einer solchen Kommission vier Mediziner, zwei Vertreter von Patienten- oder Behindertenverbänden, ein Jurist und ein Vertreter aus dem Bereich Ethik angehören.

"Die Tatsache, dass eine unbegrenzte Zahl an Zentren zugelassen werden soll, zeigt, dass man offensichtlich mit bedeutend mehr Paaren als rund 200 pro Jahr rechnet, die eine PID machen lassen wollen", kritisierte der Behinderten-Beauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe. Der CDU-Politiker fürchtet auch, dass durch die Verordnung die Hürde für eine Selektion der Embryonen stärker sinkt als vom Gesetzgeber beabsichtigt. "Grund für eine PID kann nun schon eine vorangegangene Fehlgeburt sein", sagte Hüppe unserer Zeitung.

(RP/jh-)
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