| 10.20 Uhr

Berlin
Kritik an Verbot von Israel-Flügen

Berlin. Die Union spricht von einer "Kapitulation des Westens vor dem Terror". Wegen der Raketen-Gefahr streichen viele Airlines auch heute Verbindungen nach Tel Aviv. In Israel wird dies als Druckmittel empfunden. Von Gregor Mayntz

Die vorübergehende Einstellung aller Flugverbindungen nach Tel Aviv durch amerikanische und europäische Fluggesellschaften hat im Bundestag Empörung ausgelöst. Von einer "Kapitulation des Westens vor dem Terror" sprach die Vizevorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Gitta Connemann (CDU). Auch Israels Verkehrsminister Israel Katz kritisierte die Maßnahme als "Belohnung für den Terror".

Nachdem eine von Palästinensern aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Rakete am Dienstag weniger als zwei Kilometer vom Ben-Gurion-Flughafen entfernt eingeschlagen war, hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA angeordnet, den Flugbetrieb nach Tel Aviv für zunächst 24 Stunden einzustellen. Zahlreiche europäische Airlines folgten dem Schritt, darunter neben Air France, Alitalia und KLM auch Air Berlin und Lufthansa. Gemeinsam mit ihren Töchtern Germanwings, Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines dehnte die Lufthansa den Stopp auch auf den heutigen Donnerstag aus. Es lägen "keine ausreichend belastbaren, neuen Informationen vor, die eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs rechtfertigen würden", begründete die Lufthansa.

"Sicherheit hat oberste Priorität", sagte der Grünen-Politiker Volker Beck, Chef der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe. Die Fluggesellschaften trügen aber nicht nur Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere, sondern auch für die Menschen, die auf einen funktionsfähigen Flugverkehr angewiesen seien. "Das ist kein Zustand, den man lange hinnehmen kann", betonte Beck. Die Lufthansa solle keine Gelegenheit ungenutzt lassen, den Flugverkehr nach Israel wiederherzustellen, forderte er. Beck regte an, die Nutzung kleinerer Flughäfen in Haifa und Eilat zu prüfen. Israel öffnete gestern den Militärflugplatz Ovda in der Negev-Wüste nördlich von Eilat für den internationalen Flugverkehr. Die Lufthansa lehnte dessen Nutzung wegen fehlender Abfertigungsanlagen jedoch ab.

Gerade nach dem mutmaßlichen Abschuss eines Passagierjets in der Ukraine müsse zwar alles getan werden, um die Sicherheit der Fluggäste zu gewährleisten, sagte die CDU-Politikerin Connemann. Aber Israel verfüge über ein funktionierendes Raketenabwehrsystem. Das Streichen der Flüge vermittele ein doppeltes Signal: "An die Menschen in Israel, dass wir sie allein lassen, und an die Hamas, dass sich der Terror durchsetzt", erklärte Connemann. "Ich befürchte, dass die Entscheidung in der israelischen Bevölkerung eine erschütternde Wirkung haben wird - und das vor dem Hintergrund der antiisraelischen und antijüdischen Proteste, für die ich mich einfach nur schäme", sagte Connemann. Die antisemitischen Parolen bei Protesten gegen Israel wurden gestern auch von Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel verurteilt.

Für die Vizevorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Kerstin Griese (SPD), zeigt die Situation am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv, welche negativen Folgen der Krieg für Israel hat. "Unerträglich viele Opfer im Gaza-Streifen, die Angst vor den ständigen Raketenangriffen und die jetzt eingeschränkte Reisefreiheit erhöhen hoffentlich den Druck auf die islamistische Hamas, aber auch auf die Scharfmacher auf der israelischen Seite, einem Waffenstillstand endlich zuzustimmen", sagte Griese.

Die Zahl der getöteten Palästinenser stieg gestern auf über 670, die israelische Armee verlor mindestens 29 Soldaten. Über 2000 Raketen hat die Hamas inzwischen abgefeuert, Israel schätzt, dass sie noch mehr als 4500 weitere bereithält.

Quelle: RP
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