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Ankara
Kurdischer Anwalt bei Veranstaltung erschossen

Ankara. Nach dem tödlichen Schuss auf einen prominenten kurdischen Rechtsanwalt wächst in der Türkei die Furcht vor einer neuen Spirale der Gewalt im Kurdenkonflikt. Tausende Menschen strömten gestern in Diyarbakir zur Beisetzung von Tahir Elci. Der bekannte Menschenrechtler und Vorsitzende der Anwaltskammer von Diyarbakir hatte am Samstag vor einer Moschee im Stadtteil Sur einen Aufruf zum Frieden verlesen, als Schüsse fielen. Eine Kugel traf Elci tödlich in den Kopf. Bei der Schießerei wurden auch zwei Polizisten getötet. Auf einem Video der Nachrichtenagentur DHA ist zu sehen, wie Männer, die sich hinter einem Minarett der Moschee versteckt hatten, das Feuer auf Elci und die neben ihm stehenden Personen eröffnen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kündigte eine lückenlose, transparente Aufklärung an. In Diyarbakir und Istanbul kam es zu Unruhen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Auch in Izmir und Antalya gab es Demonstrationen.

Der 49-jährige Elci war am 19. Oktober unter dem Vorwurf festgenommen worden, er betreibe "terroristische Propaganda" für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Die Staatsanwaltschaft forderte bis zu siebeneinhalb Jahren Haft. Anlass war ein Interview im Nachrichtensender CNN-Türk, in dem Elci erklärt hatte, die PKK sei keine Terrororganisation. Elci wurde am Tag nach seiner Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt, durfte aber das Land nicht verlassen und musste sich regelmäßig bei der Polizei melden. Über Twitter berichtete der Anwalt, er habe nach dem Interview Morddrohungen erhalten.

(höh)
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