US-Anleger reagieren auf Leitzinssenkung: Kurssprünge an der Wall Street
zuletzt aktualisiert: 04.01.2001 - 11:46New York (dpa). Die amerikanischen Anleger haben am Mittwoch mit einer wahren Wall-Street-Kauflawine auf die völlig überraschende halbprozentige Leitzinssenkung der US-Notenbank reagiert. Fallende Zinsen verbilligen Verbraucher- und Unternehmenskredite. Sie kommen damit früher oder später auch den Unternehmensgewinnen zu Gute.
Der mit Technologieaktien gespickte NASDAQ-Index verbuchte deshalb nach seiner langen Talfahrt den stärksten prozentualen und Punktgewinn seiner Geschichte. Das Börsenbarometer stieg explosionsartig um 324,83 Zähler oder 14,17 Prozent auf 2 616,69 Punkte.
Der bisher stärkste Gewinn war am 5. Dezember 2000 verbucht worden, als der NASDAQ-Index um 274,05 Punkte oder 10,48 Prozent zugelegt hatte. Der NASDAQ-Index war allerdings im Vorjahr um mehr als 39 Prozent eingebrochen und hatte am Dienstag nochmals 7,3 Prozent an Wert verloren.
An der elektronischen NASDAQ-Börse wurden nicht weniger als 3,1 Milliarden Aktien gehandelt. Das war ein neuer Umsatzrekord.
Der Dow-Jones-Index festigte sich um 299,60 Punkte. Das entsprach einem soliden Kursgewinn von 2,81 Prozent. Der Dow ging mit 10 945,75 aus dem Handel. Der Standard & Poor's 500-Index, der die Kursentwicklung von 500 der wichtigsten US-Unternehmen widerspiegelt, legte kräftig um 64,29 Zähler oder 5,01 Prozent auf 1 347,56 Punkte zu.
Die New Yorker Börse verbuchte einen Rekordumsatz von 1,87 Milliarden Aktien. Es gab 2 281 Gewinner und 797 Verlierer.
Die Notenbank hatte die Tagesgeldzinsen um 0,5 Prozent auf sechs Prozent und den Diskontsatz um 0,25 auf 5,75 Prozent gesenkt. Die Währungshüter reagierten damit auf Rezessionsgefahren und auf die schwachen Finanzmärkte.
Der zukünftige US-Präsident George W. Bush begrüßte die Leitzinssenkung. US-Notenbankchef Alan Greenspan reagierte laut Bush "auf die Warnzeichen und unternahm einen kühnen Schritt". Bush appellierte an den Kongress, die Steuern zu senken.
"Die überraschende Ankündigung zeigt, dass die Fed der wirtschaftlichen Abschwächung nicht gleichgültig gegenüber steht und bereit ist, die notwendigen Maßnahmen zur Vermeidung einer Rezession vorzunehmen", erklärte Bruce Steinberg. Nach Darstellung des Wirtschaftsexperten der US-Investmentbank Merrill Lynch bedeutet die Zinssenkung allerdings keinen sofortigen Umschwung der US-Wirtschaft. Steinberg glaubt aber, dass die amerikanische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker wird. Zwischenzeitlich werde sie nicht schrumpfen, sondern nur langsamer wachsen.
Während die Technologie- und viele Standardwerte kräftige oder teilweise sogar spektakuläre Kursgewinne aufwiesen, gaben Pharma- und Versorgungswerte nach.
Am Rentenmarkt wurden gewaltige Kursverluste verbucht. 30-jährige US-Staatsanleihen verloren mehr als zwei Punkte. Die Rendite stieg von 5,34 Prozent auf 5,48 Prozent.
Der Euro fiel scharf auf 0,92975 Dollar gegenüber 0,95170 Dollar am Vortag. Der Dollar notierte mit 2,1037 DM gegenüber 2,0573 DM am Dienstag.
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